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Identität als Experiment

Ich-Performanzen auf der Gegenwartsbühne

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Philipp Schulte

Dieses Buch zeigt anhand ausgewählter Arbeiten aus der Performance Art, auf welche Weisen sich Identitätskonstitutionen und -dekonstruktionen in den zeitgenössischen Darstellenden Künsten vollziehen. Welche Taktiken werden in den Performances angewandt, um ihre eigene, Identitäten setzende Struktur zu unterwandern? Die Untersuchung versteht sich auch als ein Plädoyer dafür, ein Bewusstsein für das Verhältnis zwischen dem performenden Subjekt und seiner Selbst-Darstellung zu entwickeln. Ihre Wirkung entfaltet sich demnach dank der Differenz zum Leben und nicht aufgrund einer Identität mit ihm. Analysiert werden Projekte von Marina Abramović, Spalding Gray, Michael Laub, Xavier Le Roy, Walid Raad und Rimini Protokoll.

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I. Identitätstheorien

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1. Substanz oder Prozess? – Der Identitätsbegriff im historischen Abriss 1.1. Zum Begriff Identität als Gleichsetzung Bei all den unterschiedlichen Verwendungen, die der Identitätsbegriff im Laufe der Jahrhunderte erfahren hat, gibt es doch einen gemeinsamen Nenner. Sei es in der Mathematik und in den Naturwissenschaften, sei es in der Philosophie und den Geisteswissenschaften oder sei es im alltäglichen, außerwissenschaft- lichen Sprachgebrauch: ‚Identität‘ wird immer dann verwendet, wenn es darum geht, zwei oder mehrere Faktoren miteinander gleichzusetzen, sie miteinander zu einer Einheit zu verbinden. ‚A ist identisch mit B‘ bedeutet, dass ein Gegen- stand oder Begriff A dasselbe ist wie ein Gegenstand oder Begriff B („Der Abendstern ist identisch mit dem Morgenstern“1, 2 + 2 = 4); eine Person zu identifizieren heißt, ihren Körper oder ihr Bild in Zusammenhang zu bringen mit einem Namen oder anderen Zuschreibungen (‚Ich identifiziere diesen Leichnam als meinen Ehemann. ‘); eine Gruppenidentität festzustellen ist das Zuordnen unterschiedlicher Individuen zu der Einheit eines Kollektivs mit Merkmalen, die allen gleich sind (‚Marc und Alexander und Katharina sind Schüler der Klasse 11B und schreiben folglich alle heute eine Mathearbeit. ‘). Im Fall der personalen Identität nun, der uns im Verlauf dieser Arbeit beschäf- tigen wird, wenn es also um die Identität einer Person gehen soll, ist dies nicht anders: Identität, zunächst vorsichtig definiert als basale Anordnung verschie- dener Selbstrepräsentationen, bezeichnet immer eine Relation, ein Verhältnis von mindestens zwei unterschiedlichen Faktoren. Einer bzw. ein Teil dieser...

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