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Identität als Experiment

Ich-Performanzen auf der Gegenwartsbühne

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Philipp Schulte

Dieses Buch zeigt anhand ausgewählter Arbeiten aus der Performance Art, auf welche Weisen sich Identitätskonstitutionen und -dekonstruktionen in den zeitgenössischen Darstellenden Künsten vollziehen. Welche Taktiken werden in den Performances angewandt, um ihre eigene, Identitäten setzende Struktur zu unterwandern? Die Untersuchung versteht sich auch als ein Plädoyer dafür, ein Bewusstsein für das Verhältnis zwischen dem performenden Subjekt und seiner Selbst-Darstellung zu entwickeln. Ihre Wirkung entfaltet sich demnach dank der Differenz zum Leben und nicht aufgrund einer Identität mit ihm. Analysiert werden Projekte von Marina Abramović, Spalding Gray, Michael Laub, Xavier Le Roy, Walid Raad und Rimini Protokoll.

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II. Identitäten auf dem Theater

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1. Substanz- und performanzorientierte Identitäten im Theater 1.1. Zum Verhältnis von Rollenidentität und Darstelleridentität Eine genauere Untersuchung unterschiedlicher theatergeschichtlicher Epochen zeigt, dass schon seit Bestehen des Theaters latent eine Debatte zwischen eher substanzorientierten Identitätsvorstellungen einerseits und eher prozessorien- tierten andererseits auf der Bühne ausgetragen wird1; eine Grundannahme die- ser Arbeit ist es, dass im Theater das Beurteilen von Glücken oder Misslingen einer auf der Bühne konstituierten und als Substanz verstandenen Identität ab- hängigkeit ist von der illusionären Intensität und Qualität der verwendeten Fik- tion. Als Frage formuliert: Inwieweit unterwandern Theaterkonventionen oder - mittel, die eine fiktionsentblößende Wirkung haben, die Vorstellung einer sub- stantiellen Identität und unterstützen dadurch gleichzeitig den Eindruck einer prozessual verstandenen Identität als Performanz? Wenn es also gilt, Spuren eines tendenziell substantiellen von einem tenden- ziell prozessualen Verständnis von Identität auf der Theaterbühne zu unter- scheiden, macht es die theatrale Konvention des Als-ob allerdings erforderlich, dazu zwischen den Ebenen des Spielens und des Gespielten zu unterscheiden. Da, wie Fischer-Lichte richtig anmerkt2, die im Theater dargestellte Identität nicht zwangsläufig mit der in der gesellschaftlichen Wirklichkeit der das Theater tragenden Schicht realisierten Identität übereinstimmen muss, können wir folg- lich nicht davon ausgehen, dass auf der Bühne die gleiche Konzeption von Iden- tität für eine bestimmte Rolle inszeniert wird, wie sie dem Darsteller zuge- schrieben werden soll. Des Weiteren kommt es in den meisten...

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