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Identität als Experiment

Ich-Performanzen auf der Gegenwartsbühne

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Philipp Schulte

Dieses Buch zeigt anhand ausgewählter Arbeiten aus der Performance Art, auf welche Weisen sich Identitätskonstitutionen und -dekonstruktionen in den zeitgenössischen Darstellenden Künsten vollziehen. Welche Taktiken werden in den Performances angewandt, um ihre eigene, Identitäten setzende Struktur zu unterwandern? Die Untersuchung versteht sich auch als ein Plädoyer dafür, ein Bewusstsein für das Verhältnis zwischen dem performenden Subjekt und seiner Selbst-Darstellung zu entwickeln. Ihre Wirkung entfaltet sich demnach dank der Differenz zum Leben und nicht aufgrund einer Identität mit ihm. Analysiert werden Projekte von Marina Abramović, Spalding Gray, Michael Laub, Xavier Le Roy, Walid Raad und Rimini Protokoll.

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III. Identitätsexperimente

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1. Identitätsdekonstruktionen in der zeitgenössischen Performance Art 1.1. Performance und Autobiographie in den 1970er und 1980er Jahren 1978 beschreibt Bonnie Marranca in einer Ausgabe des Performing Arts Journal das US-amerikanische Avantgardetheater in einer Zeit nach Schechners Per- formances der 1960er Jahre so: The use of autobiography, in the sense of ‚self text’ is one of the characteristic features of current experimental theatre and performance art which in the seventies has been evolving with new strategies for dealing with content. If theatre in the sixties was de- fined by the collaborative creation of the text, in recent years individual authorship has gained ascendancy; likewise, theatre in the sixties was outer-directed whereas now it is inner-directed: perhaps the shift can be said to be from the exploration of environ- mental space to the exploration of mental space, and from narration to documenta- tion.1 Eine verstärkte Hinwendung der modernen Bühnenkunst zur Auseinanderset- zung mit ‚Selbst-Text‘ und Identität im Verlauf der 1970er Jahre konstatiert auch der Theaterwissenschaftler Marvin Carlson, der in seiner kritischen Ein- führung zur Entwicklung der Performance2 von 1996 u. a. ausführliche Überle- gungen zur Verbindung der Performance Art mit dem Identitätsbegriff anstellt. Ihm zufolge geht diese Entwicklung aus von den oftmals feministisch orientier- ten Arbeiten US-amerikanischer Performerinnen wie Yvonne Rainer, Carolee Schneemann, Lucinda Childs, Alison Knowles, Meredith Monk oder Yoko Ono, die sich bereits seit den 1960ern allmählich gegen eine „predominantly male idea of performance“3 durchzusetzen bemühten, aber erst mit...

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