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Der Westliche Balkan zwischen Marginalisierung und EU-Integration

Historische, kulturelle und politische Perspektiven

Edited By Julia Kowalski and Tobias Schneider

Unter dem Begriff des Westlichen Balkans werden heute die Länder des ehemaligen Jugoslawiens (Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Mazedonien und Kosovo) sowie Albanien zusammengefasst. Trotz der fortschreitenden Annährung dieser Länder an die Europäische Union ist das Wissen über die Region meist nur schwach ausgeprägt, oft dominieren Vorurteile das Bild. Der Sammelband spannt thematisch und zeitlich einen weiten Bogen. Die von anerkannten Experten verfassten Beiträge befassen sich aus historischer, kultureller und politischer Perspektive mit dem Westlichen Balkan und vermitteln so nicht nur ein umfassendes Bild dieser Region, sondern fördern auch das Verständnis für eine der faszinierendsten Gegenden Europas.

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Holm Sundhaussen - Der Zweite Weltkrieg in der Erinnerung (Ex)Jugoslawiens 47

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47 Holm Sundhaussen Der Zweite Weltkrieg in der Erinnerung (Ex)Jugoslawiens Die öffentliche Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg spielte im zweiten, im sozialistischen Jugoslawien eine zentrale Rolle, - die zentrale Rolle schlechthin. Denn sie diente nicht nur – wie in anderen sozialistischen Ländern – der Legi- timierung des Gesellschaftssystems, - sie musste darüber hinaus auch den Staat legitimieren. Das war eine jugoslawische Besonderheit. Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg hatte dagegen nichts mit dem zu tun, was hierzulande als „Vergangenheitsbewältigung“ bezeichnet wird. Die herausragende Bedeutung des Erinnerungsortes „Zweiter Weltkrieg“ und das Fehlen jeder Art von „Ver- gangenheitsbewältigung“ im sozialistischen Jugoslawien gibt einen ersten Hinweis darauf, warum der Zweite Weltkrieg beim Zerfall Jugoslawiens und bei der Formierung der postjugoslawischen Staaten – bis in die Gegenwart hinein – im Mittelpunkt öffentlicher Diskurse stand (und steht). Dabei ging es nicht (jedenfalls nicht in erster Linie) um akademische Diskurse, sondern um Fragen, die als „existentiell“ für die jeweilige nationale Gemeinschaft verstan- den wurden/werden. Mehr noch: die Wahrnehmung der Gegenwart in der zwei- ten Hälfte der 1980er und in den 90er Jahren wurde maßgeblich durch die Wahrnehmung der Vergangenheit bzw. durch die „Erinnerung“ an den Zweiten Weltkrieg geprägt. Seit 1992, seit dem von Eric Hobsbawm und Terence Ranger herausgegebenen Sammelband „The Invention of Tradition“ ist viel über die „Erfindung“ von Traditionen und Vergangenheit geforscht worden. Die Kehrseite der Medaille – die „Erfindung“ der Gegenwart mittels der Ver- gangenheit blieb weitgehend unbeachtet. Das ist ein Kuriosum, von dem noch zu sprechen sein wird....

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