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Der Westliche Balkan zwischen Marginalisierung und EU-Integration

Historische, kulturelle und politische Perspektiven

Edited By Julia Kowalski and Tobias Schneider

Unter dem Begriff des Westlichen Balkans werden heute die Länder des ehemaligen Jugoslawiens (Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Mazedonien und Kosovo) sowie Albanien zusammengefasst. Trotz der fortschreitenden Annährung dieser Länder an die Europäische Union ist das Wissen über die Region meist nur schwach ausgeprägt, oft dominieren Vorurteile das Bild. Der Sammelband spannt thematisch und zeitlich einen weiten Bogen. Die von anerkannten Experten verfassten Beiträge befassen sich aus historischer, kultureller und politischer Perspektive mit dem Westlichen Balkan und vermitteln so nicht nur ein umfassendes Bild dieser Region, sondern fördern auch das Verständnis für eine der faszinierendsten Gegenden Europas.

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Günter Schödl - „Europaland“ oder: Europäische Politik und südöstliche Peripherie zwischen Berliner Kongreß und Zweitem Weltkrieg 67

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67 Günter Schödl „Europaland“ oder: Europäische Politik und südöstliche Peripherie zwischen Berliner Kongreß und Zweitem Weltkrieg1 Der westliche Balkan2 begriffen als „Europaland“, als protektoratsähnliche Zo- ne von minderer Europäizität, d.i. ohne autonome Entwicklungsperspektive, als abhängiges O b j e k t der Großen Mächte, die hier zu gemeinsamem Handeln berufen seien: dies war das Resümee jahrzehntelanger Erkundungen, Verhand- lungen und diplomatischer Initiativen zur Krisenbewältigung, an denen Hans Lothar von Schweinitz – u.a. deutscher Botschafter in Wien und St. Petersburg von 1871 bis 1876 bzw. 1892 – als einer der herausragenden Balkankenner der Epoche zwischen Krimkrieg und wilhelminischer „Weltpolitik“ selbst mitge- wirkt hatte: „Lösung der Frage: ich wünschte, Europa solle intervenieren..., die aufständischen Provinzen (Bosnien und Herzegowina. G.S.) sollten als Europaland in Verwaltung genommen werden,...durch Delegierte der Mächte, unterstützt von einer europäischen Gendarmerie, geordneten Zuständen zugeführt werden.“3 Aus Schweinitz‘ epochentypisch-westlicher Sicht der balkanischen Krisenland- schaft erschien es als gesicherte Erkenntnis, dass sich ‚der Balkan‘ nicht selbst helfen könne. Es sei vielmehr die europäische Mission der Großmächte, für Krisenbewältigung und Entwicklung zu sorgen. Der Balkan erschien als O b j e k t, nicht als eigenständiger Faktor der europäischen Politik: als südöstliche Pe- ripherie des europäischen Zentrums, deren konstitutive Entwicklungsunfähig- keit letztlich autonome Entperipherisierung und volle Teilhabe an Europäizität ausschließe. Schweinitzens Problemdefinition aus fernen Tagen ist...

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