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Inszenierte Politik in den Bundestagswahlkämpfen 2005 und 2009

Inszenierungsstrategien von Politikern

Johanna Thiel

In der Öffentlichkeit, nicht zuletzt von den Medien, wird v. a. zu Wahlkampfzeiten häufig von inszenierter Politik gesprochen, ohne auf deren Kennzeichen einzugehen. Es zeigt sich, dass es nur eine diffuse Meinung darüber gibt, was unter inszenierter Politik zu verstehen ist. In der Arbeit werden theoretische Grundlagen verschiedener Fachbereiche vorgestellt und bewertet. Anschließend werden die Bundestagswahlkämpfe 2005 und 2009 untersucht. Besonderes Augenmerk liegt auf den TV-Duellen der Spitzenkandidaten von CDU und SPD. Auf Basis der Analyse werden acht Inszenierungsstrategien von Politikern und somit präzise Kennzeichen inszenierter Politik bestimmt. Außerdem wird ein methodisches Problem aufgedeckt: Eine gelungene Inszenierung ist nicht als solche zu identifizieren.

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I. Inszenierte Politik im Wahlkampf als Herausforderung an die interdisziplinäre Forschung 13

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13 I. Inszenierte Politik im Wahlkampf als Heraus- forderung an die interdisziplinäre Forschung „Bei uns hat die PDS und die WSAG [Anmerkung: WASG] und dieses Gschwerl überhaupts keine Chance. (...) Wenn es überall so wäre wie in Bayern, dann hätten wir überhaupts keine Probleme. Nur, meine Damen und Herren, wir haben leider nicht überall so kluge Bevölkerungsteile wie in Bayern.“1 Während einer Veranstaltung in Süddeutschland im Rahmen des Bundestags- wahlkampfes 2005 ließ sich Edmund Stoiber (CSU) zu dieser Aussage hin- reißen. Sie wurde von den Medien und der Mehrheit der deutschen Bevölkerung empört aufgenommen und wird als Ossi-Beleidigung in Erinnerung bleiben. Allerdings ist nicht geklärt, ob es sich lediglich um eine unüberlegte Aussage handelte, die aus einer Bierlaune heraus entstanden war, oder ob diese Be- leidigung bewusst auf Kosten der ostdeutschen Bevölkerung inszeniert worden war, um Wählerstimmen im Westen zu gewinnen. Letzteres wurde von einigen Journalisten vermutet.2 Welche Wahrheit hinter dieser Beleidigung stecken mag, weiß man nicht. Edmund Stoiber und die CSU waren jedenfalls einige Tage Medienthema Nummer Eins. Die Medien selbst bringen immer wieder, und vor allem während eines Wahlkampfes, die Diskussion um die Inszenierung von Politik ins Gespräch. Dass sie diesen möglichen Sachverhalt selbst für ihre Medieninszenierung aus- nutzen, wird von ihnen gern übersehen. Der Politikwissenschaftler Thomas Meyer schreibt: „Journalisten berichten ‚kritisch’ über diese ‚Inszenierung’ und inszenieren damit (a) die eigene Unabhängigkeit und (b) die Fähigkeit, hinter die ‚Kulissen’...

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