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Konzertprogramme

Das Kernprodukt als Chance und Herausforderung für Konzerthäuser

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Dorothee Kalbhenn

Bei der Suche nach Wegen aus der Krise des klassischen Konzerts wird dessen eigentliches Kernprodukt Konzertprogramm selten als Lösung ausgewiesen. Es steht bislang vielmehr unter dem Verdacht, mit immer gleichem Schema und Repertoire vor allem eines zu sein: ewig gestrig. Grund genug, gerade solche Konzertprogramme auf zeitgemäße Potenziale zu untersuchen, die in traditionellem Rahmen stattfinden. Aus einem von Kulturpessimismus befreiten, aber kritischen Blickwinkel beleuchtet das Buch die Programme heutiger Konzerthäuser in ständigem Abgleich mit der historischen Gestalt von Programmen. Qualitative Saisonanalysen sowie Interviews mit den Intendanten von Gewandhaus zu Leipzig, Kölner Philharmonie und Elbphilharmonie Hamburg nähern sich Antworten auf die Frage: Was kann das Kernprodukt?

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2 Konzert und Konzertwesen als Kind des emanzipierten Bürgertums 25

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25 2 Konzert und Konzertwesen als Kind des emanzipierten Bürgertums Das klassische Konzert ist jünger als es sein dieser Tage so angestaubtes Image vermuten lässt: Zwar existieren „Konzerterscheinungen“18 seit Menschengeden- ken, doch erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelt sich das moderne Kon- zert.19 Woraus entwickelt es sich? Wohin? Und: warum? Antworten auf diese Fragen bereiten auf die Beschäftigung sowohl mit den Inhalten der Konzerte – Konzertprogramme – als auch mit den Erklärungsversuchen für die aktuelle Si- tuation des klassischen Konzerts vor. Auf der Suche nach Antworten wird die Betrachtung allgemeiner gesell- schaftlicher Entwicklungen bemüht. Diese werden, wie die direkt anschließen- den Kapitel zeigen, durch das Konzert gespiegelt – so auch am ‚Vorabend‘ des modernen Konzerts im 18. und 19. Jahrhundert: Gemeinsam mit dem Bürgertum wandeln sich die Konzerterscheinungen; Emanzipierung und Kunstautonomie sind dabei die beiden großen Themen, die in unübersehbarem Zusammenhang miteinander stehen. „Das Über-sich-hinaus-Wollen des Großbürgers und Kleinbürgers“20, der Versuch der Egalisierung sozialer, politischer und ökonomischer Ungleichheit, findet auf musikalischem Gebiet seinen Niederschlag in einem bürgerlichen Konzertwesen, das als Antwort auf die bis dato gegenüber dem Bürgertum ge- schlossenen Konzertveranstaltungen von Adel und Klerus gelten kann. Das Pri- vileg der höheren Stände wird nicht länger geduldet, eine Luxusdemokratisie- rung angestrebt.21 Die konzentrierte, auf Klarheit bedachte Darstellung dieser Vorgänge im vorliegenden Kapitel sei vorab mit Schleuning in ein Verhältnis zur Realität gebracht: „Es ist eine idealisierte Vorstellung,...

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