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Geschichte und Gedächtnis in der Literatur vom 18. bis 21. Jahrhundert

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Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Der Band versammelt Beiträge eines polnisch-deutschen Symposiums, das in Texten vom 18. bis 21. Jahrhundert nach Bedingungen und Mustern literarischer Erinnerungsarbeit gefragt hat. Im Zentrum steht der Begriff des Erinnerungsortes, mit dessen Hilfe versunkene Landschaften und zerstörte Kulturräume (Litauen, Ostpreußen, Galizien, Schlesien), vor allem aber tabuisierte und verdrängte Erinnerungen (Holocaust, Porrajmos, Flucht, Vertreibung) beschreibbar werden.

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III Aufklärung über die Vergangenheit: Krieg, Holocaust, Porrajmos

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215 Erinnerungen an das Undenkbare: Der Porrajmos in der Literatur von und über ‚Zigeuner‟ von Hans Richard Brittnacher 1. Juden und ‚Zigeuner‟ Man wird der deutschen Literatur der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wohl kaum nachsagen können, die Erinnerung an den Holocaust und das Bekenntnis zu deutscher Schuld mit besonderem Nachdruck gefordert zu haben – zwischen der Larmoyanz des Kahlschlags, der Lakonie, mit der eine Inventur der verbliebenen Habseligkeiten, auch der literarischen, betrieben wurde, und dem Interesse an einer neuen sprachlichen Unschuld in den artisti- schen Experimenten etwa von Eugen Gomringer oder Ernst Jandl dauerte es Jahre, bis auch Reue oder Gewissensnot nach Ausdruck verlangen und geneigte Leser finden konnten. Immerhin setzte sich dann binnen einiger Jahrzehnte die literarische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit im Schatten des Geno- zids an der jüdischen Bevölkerung als eines der beherrschenden Themen der deutschsprachigen Literatur durch. Mittlerweile liegt eine imponierende Zahl von Texten vor, von jüdischen und nichtjüdischen Autoren, von Edgar Hilsenrath bis Jurek Becker, von Rolf Hochhuth bis Ruth Klüger, von Nelly Sachs bis George Tabori, die sich auf je eigene Weise der Aufgabe gestellt ha- ben, den Genozid zur Darstellung zu bringen, und sei es, dass sie im ästheti- schen Scheitern die Singularität des Zivilisationsbruchs literarisch präsent hal- ten. Das Thema der Erinnerung wurde kulturell schließlich so erfolgreich, dass ein mit dem Friedenspreises des deutschen Buchhandels Geehrter in seiner Dan- kesrede laut über die Erinnerungsentropie der bundesdeutschen Gesellschaft Klage führte und mit...

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