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Kehillah Kedoschah – Spurensuche

Geschichte der jüdischen Gemeinde in Friedberg- Auf den Spuren der Friedberger Juden von den Anfängen bis zur Gegenwart

Edited By Hans-Helmut Hoos

Nur der historisch aufmerksame Betrachter findet heute noch Spuren jüdischen Lebens in Friedberg in der Wetterau (heute: Hessen). Nach der Zerstörung der Synagoge am 10. November 1938 und der Deportation der letzten jüdischen Gemeindemitglieder am 15. September 1942 in die Gettos und Vernichtungslager ist kaum etwas von der 750 Jahre dauernden Geschichte der Juden in Friedberg erhalten geblieben. Detailreich und durch viele Zeitdokumente anschaulich aufbereitet, wird in diesem Buch rekonstruiert, wie sich jüdisches Leben durch die Jahrhunderte hinweg entwickelt hat, welchen Gefahren es ausgesetzt war, und wie es im 20. Jahrhundert schließlich vernichtet worden ist. Exemplarisch werden die Schicksale dieser Menschen beschrieben und die «Geschichten hinter der Geschichte» nachgezeichnet.

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8 Von der Wiedergutmachung zur Erinnerungskultur 357

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357 (…) jede zweite Schuld setzt eine erste voraus – hier: die Schuld der Deutschen an Hitler. Die zweite Schuld die Verdrängung und Verleugnung der ersten nach 1945. Sie hat die politische Kultur der Bundesrepublik … wesent- lich mitgeprägt… Denn es handelt sich nicht um einen bloß rhetorischen Prozess … Die zweite Schuld hat sich vielmehr eingefressen in den Gesellschaftskörper der zweiten deutschen Demokratie. Kern ist das, was… der ‚große Frieden mit den Tätern’ genannt wird – ihre kalte Amnestierung durch Bundesgesetzte und durch die nahezu rest- lose soziale, politische und wirtschaftliche Eingliederung während der erstens zehn Jahre der neuen Staatsgeschich- te … die zweite Schuld setzte unmittelbar nach der ersten ein. Heute mit der riesigen Erfahrung von vier Jahrzehn- ten, kann gesagt werden, dass die hartnäckige Verweigerung aus Angst vor Selbstentblößung eine Mehrheit der älte- ren Generation weit stärker motiviert hat als der Wohl ihrer Kinder. Natürlich ist sie nicht bereit. ihre historische Fehlentscheidung mit dieser Konsequenz zu koppeln, aber unabhängig von der subjektiven Bewusstlosigkeit gegen- über den Folgen der Verweigerung, war dies ihr objektives Resultat. Zu diesem Zweck haben die Eltern und Groß- eltern mit erstaunlicher Ausdauer vors Gesicht gehalten, was hier als ’Maske’ genannt werden soll, Sichtbar wurde dahinter nur der Teil, den der Selbstschutz zu lüften gestattete, und das war wenig genug. Der andere, größere Teil wurde seit 1945 vor Kindern und Kindeskindern fintenreich – und oft genug wohl auch qualvoll – verdeckt gehal- ten. Die Maske ist inzwischen von...

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