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Antisemitismus in der Linken

Ergebnisse einer quantitativen Befragung

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Maximilian Elias Imhoff

Diese Studie prüft die Existenz des linken Antisemitismus und erörtert mögliche Ursachen. Dazu wurden 218 Linke befragt und die Antworten statistisch ausgewertet. Die abgefragten antisemitischen Ressentiments verdichten sich bei 17 Prozent zu einem Antisemitismus. Dieser ist statistisch gesehen fester Bestandteil bestimmter Weltbilder; er hängt ab von Antizionismus, flacher und völkischer Kapitalismuskritik, Pazifismus und der Nutzung linker Medien.

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1. Einleitung 13

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13 1. Einleitung Am 9. November 1969 sollte im jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße in Westberlin eine Bombe explodieren. Der Tag des Anschlags war mit Bedacht gewählt. Zum einunddreißigsten Male jährte sich an jenem Abend die Reichs- pogromnacht. Die Attentäter waren keine Rechtsradikalen. Im Gegenteil: Sie waren linksradikale, anti-imperialistische Antizionisten, vermutlich aus dem Umfeld des Kommune 1-Gründers Dieter Kunzelmann.1 Als entschlossene Anti- faschisten kämpften sie gegen Juden und den Staat Israel, der nun selbst faschis- tisch geworden sei. Den Auslöser dieser überraschenden Wandlung linksradika- ler Aktion sieht der Politikwissenschaftler Kraushaar im Sechs-Tage-Krieg.2 Seitdem kam es vor, „dass bei militanten Linken unter dem breiten Schirm des Antifaschismus auch blanker Antisemitismus Platz hatte (…).“3 Die Attentäter handelten sicherlich isoliert von der radikalen Linken der damaligen Zeit, dennoch, so urteilt Kraushaar, war ihr Antisemitismus kein Ein- zelphänomen, er zog sich „von [den] Texten von Ulrike Meinhof über die Selek- tion jüdischer Passagiere in Entebbe 1976 bis zum Mordanschlag auf russische Juden 1991 (..), an dem die RAF beteiligt war.“ Kraushaar bezieht sich insbe- sondere auf Meinhofs Ausführungen zu dem Olympia-Attentat auf israelische Sportler 1972. Für die RAF begrüßte sie in dem Aufsatz „Die Aktion des Schwarzen September in München“4 das Attentat als Befreiungsschlag gegen die faschistisch-imperialistische erste Welt und geißelte „Israels Nazi-Faschis- mus“5. Bedenken über die Geiselnahme finden sich nicht. So kam sie zu dem Urteil: „An der Aktion des Schwarzen September in München...

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