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Gegenseitige Verfremdungen

Theater als kritischer Erfahrungsraum im Stoffwechsel zwischen Bühne und Musik

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Tore Vagn Lid

Die Möglichkeit des Theaters als Raum für kritische Erfahrungen geht über die Erweiterung des Theaters als musikalischen Erfahrungsraum, d.h. als ein musikalisch gedachtes und strukturiertes Theater, hinaus. Damit vereint sich in diesem Buch die Frage nach Kritik und Musik in einem Begriff von Musikdramaturgie, der hier über seine traditionellen Konnotationen erweitert wird. Auf der Suche nach den Möglichkeiten eines zeitgenössischen Musiktheaters dringt der Autor hinter die oftmals vagen Begriffe und Praxisformen von postmodernem «Recycling» und «Crossover» vor. Die zentrale Frage nach der «Brauchbarkeit Brechts» anhand Brechts und Eislers Die Maßnahme stellt einen Versuch dar, einen besonderen Impuls für das heutige Theater produktiv zu rekonstruieren. Mittels Kritik an Adornos «absoluter Musik» auf der einen und Stanislawskis «absolutem Theater» auf der anderen Seite, wird eine Erklärung in der Ablagerung zweier institutioneller Schwerkräfte gesucht.

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Einleitung 17

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17 Einleitung Die folgende Arbeit ist Teil einer erweiterten und andauernden Probenarbeit. Durch den Wechsel von Probenraum und Büro habe ich über einen längeren Zeitraum wieder und wieder erfahren können, wie eben dieses Zurückziehen – das oft gehetzte Hin und Her zwischen Probenraum und Schreibtisch – in sich selbst ein Bindeglied und produktiver Prämissenlieferant für die kunstpraktische wie für die kunsttheoretische Tätigkeit wurde. So haben das Tempo, die Wech- sel und die energetische Dynamik im Theaterraum ihr Gegenstück in der Stille und der reflexiven Ruhe gefunden, die als Möglichkeit in der theoretisch- wissenschaftlichen Arbeit liegt. Diese Spanne wird in einer kontrapunktischen Figur vereinigt, zwei ästheti- schen (Leit-)Motiven, die einander gegenseitig bedingen. Das erste dieser bei- den ist ein andauerndes und grundlegendes Vertrauen in das Potenzial des Thea- terraums als einem besonderen Medium für kritische Erfahrung. Im anderen liegt die Erfahrung, dass eben ein solcher Raum sich zu einem musikalisch ge- dachten und strukturierten Theater ausweiten und entwickeln lässt, einem refle- xiven Raum im ‚Stoffwechsel‘ zwischen Bühne und Musik. Erfahrung einer Möglichkeit – und Erfahrung eines Mangels Von meinem biographischen Ausgangspunkt als Musiker und Instrumentalist im Theater zur Arbeit als Regisseur und Autor ist das Musische als Möglichkeit und Problemlöser immer mehr in den Vordergrund gerückt. So war ich Zeuge dafür, wie z.B. scheinbar unlösbare dramaturgische Probleme, von „unmotivierten“ Übergängen bis zur möglichen Informationsmenge an das Publikum, dadurch gelöst werden k...

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