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Gegenseitige Verfremdungen

Theater als kritischer Erfahrungsraum im Stoffwechsel zwischen Bühne und Musik

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Tore Vagn Lid

Die Möglichkeit des Theaters als Raum für kritische Erfahrungen geht über die Erweiterung des Theaters als musikalischen Erfahrungsraum, d.h. als ein musikalisch gedachtes und strukturiertes Theater, hinaus. Damit vereint sich in diesem Buch die Frage nach Kritik und Musik in einem Begriff von Musikdramaturgie, der hier über seine traditionellen Konnotationen erweitert wird. Auf der Suche nach den Möglichkeiten eines zeitgenössischen Musiktheaters dringt der Autor hinter die oftmals vagen Begriffe und Praxisformen von postmodernem «Recycling» und «Crossover» vor. Die zentrale Frage nach der «Brauchbarkeit Brechts» anhand Brechts und Eislers Die Maßnahme stellt einen Versuch dar, einen besonderen Impuls für das heutige Theater produktiv zu rekonstruieren. Mittels Kritik an Adornos «absoluter Musik» auf der einen und Stanislawskis «absolutem Theater» auf der anderen Seite, wird eine Erklärung in der Ablagerung zweier institutioneller Schwerkräfte gesucht.

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Teil I ‚Gegenseitige Verfremdungen‘ – Zur ‚Brauchbarkeit‘ Bertolt Brechts 56

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56 Teil I: ‚Gegenseitige Verfremdungen‘ – Zur Brauchbarkeit Bertolt Brechts die ganze theorie ist ja nicht eine angelegenheit spekulativer natur. sie ist lediglich eine erklärung von praxis, dazu da, die praxis zu säubern. (B.Brecht)49 Kapitel 1 Das Werk als wirkend: Brechts kritische ‚Diagnose‘ des Verhältnisses Kunst - Gesellschaft Der Mensch ist Tier. doch selbst in seinen tierischen Funktionen bleibt er nicht als in einem Ansich stehen wie das Tier, sonder wird ihrer bewußt, erkennt sie und erhebt sie, wie z.B. den Prozeß der Verdauung, zu selbstbewußter Wissenschaft. Dadurch löst der Mensch die Schranke seiner ansichseienden Unmittelbarkeit auf, so daß er deshalb gerade, weil er weiß, daß er Tier ist, aufhört, Tier zu sein, und sich das Wis- sen seiner als Geist gibt. (Hegel) 50 Ästhetik als Kritik des Ästhetischen hat Tradition innerhalb der Philosophie. Bertolt Brechts frühe Ansätze in Richtung einer Kritik an der Gegenwartskunst schreiben sich deshalb ein in einen Zusammenhang, der von Platon über Hegel bis zu Nietzsche und Adorno reicht. Wenn Brecht sich also kritisch nach der Wirkung der Kunst fragt, um sich der Kunst so mit einer wirkungsästhetischen Sichtweise zu nähern, gehört dies zu einer Tradition, in der (ohne Rücksicht auf die Politik) nicht nur das progressive, sondern auch das regressive Potenzial der Kunst thematisiert wird. In Brechts kritischer ‚Diagnose‘ der naturalistischen Bühnenkunst, einer realistischen Bühnenkunst, eines realistischen Literaturide- als oder des Gesamtkunstwerks der Wagnertradition, wird interessanterweise nicht nur Platons Misstrauen...

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