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Gegenseitige Verfremdungen

Theater als kritischer Erfahrungsraum im Stoffwechsel zwischen Bühne und Musik

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Tore Vagn Lid

Die Möglichkeit des Theaters als Raum für kritische Erfahrungen geht über die Erweiterung des Theaters als musikalischen Erfahrungsraum, d.h. als ein musikalisch gedachtes und strukturiertes Theater, hinaus. Damit vereint sich in diesem Buch die Frage nach Kritik und Musik in einem Begriff von Musikdramaturgie, der hier über seine traditionellen Konnotationen erweitert wird. Auf der Suche nach den Möglichkeiten eines zeitgenössischen Musiktheaters dringt der Autor hinter die oftmals vagen Begriffe und Praxisformen von postmodernem «Recycling» und «Crossover» vor. Die zentrale Frage nach der «Brauchbarkeit Brechts» anhand Brechts und Eislers Die Maßnahme stellt einen Versuch dar, einen besonderen Impuls für das heutige Theater produktiv zu rekonstruieren. Mittels Kritik an Adornos «absoluter Musik» auf der einen und Stanislawskis «absolutem Theater» auf der anderen Seite, wird eine Erklärung in der Ablagerung zweier institutioneller Schwerkräfte gesucht.

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Teil II B Textform, Theaterform, Institutionsform: Zur Kritik der institutionellen Wirkungsgeschichte Stanislawskis 214

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214 TEIL II B: TEXTFORM, THEATERFORM, INSTITUTIONSFORM: ZUR KRITIK DER INSTITUTIONELLEN WIRKUNGSGESCHICHTE STANISLAWSKIS Man muß also Theorieentscheidungen treffen, die nicht unmittelbar etwas mit Kunst zu tun haben. […]Die Kunst nimmt an Gesellschaft teil schon dadurch, daß sie als System ausdifferenziert wird und damit der Logik eigener operativer Geschlossen- heit unterworfen wird – wie andere Funktionssysteme auch (N. Luhmann)424 424 (Luhmann, 1995) S.216-217 Kapitel 1 Die institutionelle ‚Schwerkraft‘ des dramatischen Textes Peter Szondis berühmte Analyse des modernen Dramas „Theorie des modernen Dramas“ (1956) ist gleichzeitig eine Analyse einer hegemonialen Form. Was bei Szondi im Wesentlichen eine literaturtheoretische Analyse bleibt, findet sein Gegenstück in einem europäischen Theater und einer europäischen Theaterorga- nisation, die auf die gleiche hegemoniale Art im Verhältnis zu diesem „moder- nen Drama“ oder bedingt durch dieses konstituiert ist. Wo Szondis Interesse in den 50er Jahren primär auf das Drama als literarische Form und die historischen „Krisen“ Modernismus) dieser literarischen Form (in Hegelianischer Bedeu- tung) und wo Hans-Thies Lehmann Auflösungstendenzen weg vom Dramati- schen beschreibt, richtet sich meine Konzentration, wenn nicht einen Schritt zu- rück, so doch auf jeden Fall auf ein eher materialistisches oder organisatorisch- institutionelles Niveau in der historischen und ästhetischen Entwicklung: Für mich verändert sich der Blickwinkel gerade auf den Raum zwischen dem drama- tischen Text und der szenisch-musikalischen Arbeit und dem szenisch- musikalischen Ausdruck. Hiermit ist ein ästhetischer „Aktionsraum“ gemeint, der auf entscheidend Weise im Verhältnis Kunstform – Organisationsform abge- lagert ist und durch dieses bedingt...

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