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Gegenseitige Verfremdungen

Theater als kritischer Erfahrungsraum im Stoffwechsel zwischen Bühne und Musik

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Tore Vagn Lid

Die Möglichkeit des Theaters als Raum für kritische Erfahrungen geht über die Erweiterung des Theaters als musikalischen Erfahrungsraum, d.h. als ein musikalisch gedachtes und strukturiertes Theater, hinaus. Damit vereint sich in diesem Buch die Frage nach Kritik und Musik in einem Begriff von Musikdramaturgie, der hier über seine traditionellen Konnotationen erweitert wird. Auf der Suche nach den Möglichkeiten eines zeitgenössischen Musiktheaters dringt der Autor hinter die oftmals vagen Begriffe und Praxisformen von postmodernem «Recycling» und «Crossover» vor. Die zentrale Frage nach der «Brauchbarkeit Brechts» anhand Brechts und Eislers Die Maßnahme stellt einen Versuch dar, einen besonderen Impuls für das heutige Theater produktiv zu rekonstruieren. Mittels Kritik an Adornos «absoluter Musik» auf der einen und Stanislawskis «absolutem Theater» auf der anderen Seite, wird eine Erklärung in der Ablagerung zweier institutioneller Schwerkräfte gesucht.

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Appendix: Die Politik hinter dem (Neu-)Politischen: Fragen nach dem ästhetischen Handlungsraum der Kunst – aus einer nordischen Perspektive 338

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338 Appendix: Die Politik hinter dem (Neu-)Politischen: Fragen nach dem ästhetischen Handlungsraum der Kunst – aus einer nordischen Perspektive In dem Versuch in Richtung einer institutionellen „Psychoanalyse“ des musi- schen Theaterraumes wurde das Verhältnis Organisationsform-Kunstform wich- tig. Aber der ästhetische Aktionsraum der Gegenwartskunst wie auch des Gegenwartstheaters ist durch Strukturen bedingt, die außerhalb und über diese besondere Art institutioneller Ablagerungsprozesse hinaus existieren. Der Ver- such einer produktiven Ausweitung des Theaters als kritisch-musikalischem Er- fahrungsraum wäre unzureichend, wäre man sich nicht gleichzeitig bewusst, wie eine neue Medienwirklichkeit bestimmend auf eben solche Versuche einwirkt. In einer nordischen Bühnenkunstlandschaft mit relativ wenigen großen Städten und mit einem hohen Maß an Zentralisierung sowohl der Bühnenkunstorganisa- tionen als auch der Medienhäuser, schlägt die verschärfte Abrechnung mit der explizit politisierten Kunst der 70er Jahre in eine ebenso hegemoniale Forderung nach einer Gegenwartskunst um – allerdings ohne kritisch-politische Ambition. In einer Entwicklung, in der sich die Forderung nach Autonomie (‚art pour l'art‘) – nach der „Befreiung“ der Kunst von der Politik – in den 80er und 90er Jahren als eine paradoxe politische Forderung selbst verwirklichte, spielten Medien und die Definitionsmacht des Kulturjournalismus eine richtungsweisende Rolle. Da sich dieselbe Kunstszene in den letzten Jahren erneut dem Politischen zuwende- te, kann gerade die nordische Entwicklung als geeignetes Prisma zur Betrach- tung der Strukturen und der dahinter liegenden Variablen dienen. Variablen, die die Politik hinter dieser (neu-)politischen Wendung bedingen, ebenso wie Kräf- te, die nicht Teil des Aktionsradius des „neupolitischen...

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