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Erst kommt die Ästhetik, dann kommt die Moral

Bedingungen der Möglichkeit von Moralerziehung

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Claudia Gerdenitsch

In regelmäßigen Abständen klagen aufgeregte öffentliche Diskurse eine Erziehung zu Werten und zur Moralität ein. In der Tat ist es eine der zentralen Fragen der Pädagogik, wie überhaupt Moralerziehung möglich sei. Diese Frage stellt sich aktuell in besonders prekärer Weise. Der Band trägt ein Stück weit zur Versachlichung der Diskussion bei, weil er erneut den Zusammenhang von Ästhetik und Moral in Erinnerung bringt und im Rückgriff auf prominente Vertreter – wie Baumgarten, Kant, Schiller und Herbart – die notwendigen Voraussetzungen einer angemessenen Moralerziehung klärt und ihre Möglichkeiten, aber auch ihre Grenzen deutlich aufzeigt.

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1 Ästhetik als Lebens-Kunst-Theorie: A. G. Baumgartens Aesthetica - 29

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29 1 Ästhetik als Lebens-Kunst-Theorie: A. G. Baumgartens Aesthetica Wenngleich Baumgarten mit seiner programmatischen Schrift Aesthetica (1750) eine ganze Bewegung ästhetisch inspirierten Denkens in Gang gesetzt und ange- regt hat, ist seine Philosophie heute beinahe unbekannt (vgl. Schweizer 1983, S. VIII). Das war nicht immer so. Die Auflagenstärken seiner Schriften Metaphysi- ca (1739) und Ethica philosophica (1740) zeigen Baumgarten als erfolgreichen philosophischen Autor seiner Zeit (vgl. Mirbach 2007, S. XX), dessen theoreti- sche Überlegungen Forschung und Lehre bedeutender Philosophen des 18. Jahr- hunderts beeinflussten. Auch Kant lehrte an der Königsberger Universität auf der Grundlage von Baumgartens Metaphysica, Ethica und den Initia philosophi- ae practicae (vgl. Mirbach 2007, S. XX). Baumgarten selbst begann schon im Wintersemester 1742/43 an der Universität in Frankfurt an der Oder, an die er 1740 berufen wurde, über Ästhetik zu lesen und veröffentlicht auf Basis der Vorlesungsmitschriften 1750 den ersten Teil der Aesthetica. Der zweite Teil erscheint fragmentarisch erstmals 1758 (vgl. Mir- bach 2007, S. XVIIf.). Allerdings konnten die beiden Bände der Aesthetica nicht dieselben offensichtlichen Erfolge feiern wie Baumgartens übrige Werke. Als Gründe führt Dagmar Mirbach: einerseits die Unvollständigkeit des Werkes auf; andererseits willigte Baumgarten in die Veröffentlichung der Kolleghefte zu seinen Ästhetik-Vorlesungen durch seinen Schüler Georg Friedrich Meier ein, der diese unter dem Titel Anfangsgründe aller schönen Wissenschaften bereits zwischen 1748 und 1750 in deutscher Sprache publizierte (vgl. Mirbach 2007, S. XX–XI). „Die rezeptionsgeschichtliche Folge war: Meiers Anfangsgründe – die keineswegs...

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