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Erst kommt die Ästhetik, dann kommt die Moral

Bedingungen der Möglichkeit von Moralerziehung

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Claudia Gerdenitsch

In regelmäßigen Abständen klagen aufgeregte öffentliche Diskurse eine Erziehung zu Werten und zur Moralität ein. In der Tat ist es eine der zentralen Fragen der Pädagogik, wie überhaupt Moralerziehung möglich sei. Diese Frage stellt sich aktuell in besonders prekärer Weise. Der Band trägt ein Stück weit zur Versachlichung der Diskussion bei, weil er erneut den Zusammenhang von Ästhetik und Moral in Erinnerung bringt und im Rückgriff auf prominente Vertreter – wie Baumgarten, Kant, Schiller und Herbart – die notwendigen Voraussetzungen einer angemessenen Moralerziehung klärt und ihre Möglichkeiten, aber auch ihre Grenzen deutlich aufzeigt.

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3 Friedrich Schillers ästhetische Briefe - 85

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85 3 Friedrich Schillers ästhetische Briefe In den Briefen Über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795/1962)46 tritt der Leserin das starke Bestreben Schillers entgegen, eine zur äußerst kritisch erlebten politischen, gesellschaftlichen und sittlichen Realität alternative Le- bens- und Gesellschaftsform zu entwerfen. Seine „Kulturkritik ist dabei getragen von der Hoffnung, durch ‚ästhetische Erziehung’ den unfreien und unreifen so- wie inhumanen Zustand der Gesellschaft auf kontinuierliche und humane Weise verändern und in sein Gegenteil verkehren zu können“ (Ehrenspeck 2008, S. 75), wobei er politische und moralische Fragestellungen verbindet. Im Zentrum steht die Frage, ob und auf welchem Weg es denkbar und real möglich ist, dass der Mensch – als Individuum und als Gattung – moralische Gesinnungen ver- wirkliche. Wenngleich Schiller wesentliche moralphilosophische Gedanken von Kant übernimmt, verändert er den Blickwinkel und konzentriert sich nicht auf Grundlegungsfragen der Moral, sondern auf das Problem, wie der Mensch tat- sächlich moralisch sein und werden könne. Mit dieser Frage verbindet er mehr oder weniger explizit pädagogische Überlegungen: wie muss sich der Mensch verändern, damit ihm das scheinbar Unmögliche, die Vereinigung von Sinnlich- keit und Vernunft möglich wird und welche Rahmenbedingungen fördern diese Veränderung. Zugleich ist damit auch die Frage aufgeworfen, wie der Mensch gedacht und entworfen sein muss, damit er als moralisches und zugleich natürli- ches Wesen denkbar und wirklich werden kann. Aus diesem Blickwinkel, der unter anderem von Christian Rittelmeyer eingenommen wird, stellen sich die ästhetischen Briefe als Entwurf einer Anthropologie...

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