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Erst kommt die Ästhetik, dann kommt die Moral

Bedingungen der Möglichkeit von Moralerziehung

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Claudia Gerdenitsch

In regelmäßigen Abständen klagen aufgeregte öffentliche Diskurse eine Erziehung zu Werten und zur Moralität ein. In der Tat ist es eine der zentralen Fragen der Pädagogik, wie überhaupt Moralerziehung möglich sei. Diese Frage stellt sich aktuell in besonders prekärer Weise. Der Band trägt ein Stück weit zur Versachlichung der Diskussion bei, weil er erneut den Zusammenhang von Ästhetik und Moral in Erinnerung bringt und im Rückgriff auf prominente Vertreter – wie Baumgarten, Kant, Schiller und Herbart – die notwendigen Voraussetzungen einer angemessenen Moralerziehung klärt und ihre Möglichkeiten, aber auch ihre Grenzen deutlich aufzeigt.

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4 Johann Friedrich Herbart – ‚ästhetische Darstellung als das Hauptgeschäft der Erziehung' - 101

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101 4 Johann Friedrich Herbart – ‚ästhetische Darstellung als das Hauptgeschäft der Erziehung‘ 4.1 „Wie dachte sich Kant die moralische Erziehung?“ Eine pä- dagogische Kritik der Transzendentalphilosophie In einer Rezension über Immanuel Kant über Pädagogik schreibt Herbart 1804: „Wie dachte sich Kant die moralische Erziehung? Als eine Wirkung auf transzen- dentale Freyheit? Unmöglich, denn der Begriff der letztern hört auf, so bald man sie nicht rein aus dem Causalnexus herausdenkt. Sie thut, was sie thut, von selbst; man kann sie durch nichts hindern, ihr nichts erleichtern. Sie erfindet Maximen; was der Lehrer dazu spricht ist gleichgültig. [...] Sie begreift und nimmt an, was in ihr selbst absolut anhebt. – So beschreiben uns Kant und seine Nachfolger trans- cendentale Freyheit; – und so vernichten sie alle Pädagogik, – denn mit der Hauptsache, der sittlichen Erziehung, fällt das Ganze“ (Herbart 1804/1991, S. 308). An dieser kurzen Passage sieht man exemplarisch, in welchem Rahmen Herbart das Problem der Moralerziehung behandelt. Er setzt sich mit dem großen Den- ker seiner Zeit, mit Immanuel Kant, auseinander und stellt seine theoretische und praktische Philosophie in den Kontext der Pädagogik. Im selben Jahr wie die zitierte Rezension erscheint, als Anhang zur zweiten Auflage von Pestalozzis ABC der Anschauung, Herbarts Aufsatz Über die ästhetische Darstellung der Welt als das Hauptgeschäft der Erziehung (Herbart 1804/1982), in dem er ein Alternativkonzept zu Kant vorstellt. Hier legt er, eingebettet in eine pädagogi- sche Kritik der Transzendentalphilosophie, seine These dar, dass Erziehung als Moralerziehung und...

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