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Demokratie und Religion

Tagungsband zum Kolloquium der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz und der Demokratie Stiftung an der Universität zu Köln am 23. 11. 2009 in Köln

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Edited By Bernhard Kempen and Kolja Naumann

Das Verhältnis von Demokratie und Religion schwankt zwischen Kooperation, Indifferenz und Konfrontation. Während sich die derzeitige Diskussion oft auf die Kompatibilität von Islam und Grundgesetz verengt, versucht dieser Tagungsband der bestehenden Spannungslage allgemeiner nachzugehen, um mögliche Probleme aber auch Chancen zu analysieren und interdisziplinär zu diskutieren. Dabei wird zunächst in interdisziplinärer Blickrichtung untersucht, wie es für Religionen möglich ist, sich in pluralistischen Demokratien einbinden zu lassen, wo Möglichkeiten und wo Grenzen einer Zusammenarbeit aus dem spezifischen Blickwinkel der Religion bestehen. Ferner wird gefragt, wie sich der demokratische Staat gegenüber Religionsgemeinschaften verhalten kann, wie er mit ihnen gewinnbringend kooperieren, aber auch, auf welche Art und Weise er sie reglementieren kann.

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Religion als Chance für eine wertegetragene Demokratie – In welchem Maße braucht die moderne Demokratie die integrative Kraft der Religion? 77

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Religion als Chance für eine wertegetragene Demokratie – In welchem Maße braucht die moderne Demokratie die integrative Kraft der Religi- on? Prof. Dr. Christian Hillgruber, Bonn I. Einführung Braucht die moderne Demokratie die integrative Kraft der Religion? So lautet die Frage, die mir gestellt worden ist. Die Frage unterstellt, dass jede Religion eine positive integrative Kraft entfaltet, und das soll offensichtlich nicht allein für die Anhänger dieser Religion gelten, für die diese selbstverständlich ein- heitsstiftendes Identifikationsmerkmal ist, sondern auf die Gesellschaft insge- samt bezogen sein. Darin liegt indes eine Prämisse, die man in ihrer Allge- meinheit mit Fug und Recht bezweifeln kann. Gewiss, bestimmte Glaubens- überzeugungen können Gemeinsinn und Engagement für das gemeine Wohl generieren und freisetzen, aber gewisse religiöse Überzeugungen können auch desintegrierend wirken, sie können auch elitäres Sonderbewußtsein produzie- ren, das auf andere verächtlich herabschaut, ja sie können ihres unbedingten Wahrheitsanspruchs wegen Fanatismus und Bürgerkrieg auslösen und damit die pluralistische Demokratie fundamental in Frage stellen. Wenn man sich die Dinge nicht vereinfachend schön reden will, muss man eigentlich diffe- renzieren, von Religion zu Religion, von Konfession zu Konfession. Denn Religion und Glaube begegnet uns außerordentlich vielgestaltig, und ebenso groß ist die Bandbreite ihrer rechtkulturellen Wirkungen, von gemeinwohl- förderlich bis destruktiv. Der Jurist ist daher geneigt, auf die gestellte Frage so zu antworten, wie er meistens zu antworten pflegt: Es kommt darauf an! Doch die angezeigte Unterscheidung birgt...

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