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Die phantastischen Kinderbücher von Michael Ende

Mit einer Einleitung zur Entwicklung der Gattungstheorie und einem Exkurs zur phantastischen Kinderliteratur der DDR

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Hajna Stoyan

Die Studie befaßt sich mit der westdeutschen kinderliterarischen Phantastik der 70er und 80er Jahre und erörtert diese sowohl in literaturhistorischer wie in gattungstheoretischer Hinsicht. Es geht um die Herausarbeitung der Struktur phantastischer Texte, der Funktionen kinderliterarischer Phantastik und der Kommunikationsabsichten ihrer Autoren. Im Mittelpunkt der Analysen stehen die phantastischen Kinderbücher und Märchenromane von Michael Ende. Ein umfangreicher Exkurs ist der phantastischen Kinderliteratur der ehemaligen DDR gewidmet, wobei die Kinderbücher von Christa Kożik im Vordergrund stehen. In komparatistischer Perspektive zeigt sich, daß beide deutschen Kinderliteraturen in den 70er und 80er Jahren von dieser speziellen Form der Zweiwelten-Erzählung, in welcher das Reale und das Phantastische konflikthaft aufeinander treffen, nachhaltigen Gebrauch machen.

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II. TEIL

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II. Michael Ende und sein kinderliterarisches Werk der sechziger und siebziger Jahre Im zweiten Kapitel dieser Arbeit wird Michael Ende, ein besonders repräsenta- tiver Vertreter und eine Leitfigur der modernen phantastischen KJL, dargestellt. Sein literarisches Schaffen wird in seiner Entwicklung von der märchenhaft- komisch-phantastischen Kindererzählung Jim Knopf und Lukas der Lokomotiv- führer der sechziger Jahre, durch den Märchenroman Momo (1973) zum post- modernen phantastischen Buch Die unendliche Geschichte (1979) gezeigt. Die drei Werke zeigen typische Funktionen der Phantastik: das Spieleri- sche (Jim-Knopf-Bücher), das Sozialkritische und Utopische (Momo) und das Psychologische (Die unendliche Geschichte). In seine Kinder- und Jugendbücher, die seit ihrem Erscheinen stark disku- tiert werden, nimmt Ende das Zeittypische so stark auf, wie kaum ein anderer Autor der westdeutschen KJL. Seine über die Kinderliteratur hinausweisende Bedeutung formuliert Hermann Kurzke sehr treffend: Ende wiederholt geistesgeschichtlich die Kritik der Romantik an der Aufklärung. Gemeint ist nicht diejenige Aufklärung, die die Toleranz und die Menschen- rechte, sondern die, die den Gleichschritt erfand und die Gesellschaft unter dem Gesichtspunkt ökonomischer Rationalität zu einer perfekt funktionierenden Ma- schine machen will. Die Romantik wendet dagegen ein, daß die wahre Mensch- lichkeit im Ungeplanten zu Hause sei: im Träumen, in der Phantasie, in der Poe- sie, im Spielen der Kinder, im ökonomisch Überflüssigen. Das weit verbreitete Gefühl, das es fünf vor zwölf ist, wenn unsere Welt, wie wir sie lieben, noch ge- rettet werden soll, bannt Michael Ende in ein modernes...

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