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Das Basler Konzil

Synodale Praxis zwischen Routine und Revolution

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Stefan Sudmann

Das Basler Konzil (1431-1449) hat sich nicht allein um eine Reform der Kirche an Haupt und Gliedern bemüht, sondern auch die Funktion einer Schiedsinstanz in zahlreichen kirchlichen und weltlichen Streitsachen eingenommen, Ketzer- und Kanonisationsprozesse geführt, dogmatische Entscheidungen gefällt und einen Plenarablaß ausgeschrieben. Damit stellte es bestehende Strukturen und vor allem die päpstliche Verfassung der Kirche in Frage. Diese Arbeit untersucht die in dieser umfassenden Agenda ausschlaggebenden Handlungsmuster, Konzepte und Strukturen, das Verhältnis des Konzils zu Papst, weltlichen Herrschern und Laien, den Geschäftsgang und die konziliare Terminologie.

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1. Einleitung: Die 'Geschäftigkeit' des Basler Konzils 11

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Ii, qui Basileae sunt, omnia administrant et faciunt tam in spiritualibus quam in temporalibus, quae spectant et pertinent ad exercitium supremi in Ecclesia principis. (`Libellus apologeticus pro Eugenio') 1. Einleitung: Die 'Geschäftigkeit' des Basler Konzils 1.1. 'Verfassungsprinzipien': Norm und Umsetzung — Theorie und Praxis Das Basler Konzil (1431-1449) hat sich durch Publizistik und ein umfangreiches Engagement in Theologie und Politik schnell zu einem mit Rom konkurrierenden Zentrum kirchlichen Lebens entwickelt. Damit hat es traditionelle kirchliche — und zum Teil auch weltliche — Strukturen in Frage gestellt. In der Forschung gilt diese Synode deshalb als „dramatischer Höhepunkt europäischer Verfassungsdiskussion" und als „Grundproblem der europäischen Verfassungsgeschichte"'. Der Begriff 'Verfassung' prägt die Forschung zum Konziliarismus2. Krämer hat in seiner 'Konsens und Rezeption' betitelten Dissertation vor zweieinhalb Jahrzehnten `Verfassungsprinzipien' der Kirche im Basler Konziliarismus untersucht3. Auch Miethke (1996) spricht für dieses ekklesiologische Konzept von einer „neuen Kirchen- verfassung"4. Wie läßt sich jedoch die 'Verfassung' einer etwa zwanzig Jahre lang bestehenden kirchlichen Institution des 15. Jahrhunderts umreißen? Bislang hat die Forschung diese Frage durch Analysen ekklesiologischer Traktate der Zeit zu beantworten versucht. Jedoch scheint eine solche Vorgehensweise nicht alle Probleme lösen zu können — vor allem nicht jenes des concilium perpetuum, das die Basler Synode zu werden drohte. Zwar legten die Bestimmungen des Konstanzer Konzils (1414-1418), das im Gegen- satz zum kardinalizischen Konzil von Pisa (1409) das Große Abendländische Schisma beenden konnte, die Grundlage für das Basiliense: Das Dekret 'Frequens' — einer der fundamentalen...

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