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Das Basler Konzil

Synodale Praxis zwischen Routine und Revolution

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Stefan Sudmann

Das Basler Konzil (1431-1449) hat sich nicht allein um eine Reform der Kirche an Haupt und Gliedern bemüht, sondern auch die Funktion einer Schiedsinstanz in zahlreichen kirchlichen und weltlichen Streitsachen eingenommen, Ketzer- und Kanonisationsprozesse geführt, dogmatische Entscheidungen gefällt und einen Plenarablaß ausgeschrieben. Damit stellte es bestehende Strukturen und vor allem die päpstliche Verfassung der Kirche in Frage. Diese Arbeit untersucht die in dieser umfassenden Agenda ausschlaggebenden Handlungsmuster, Konzepte und Strukturen, das Verhältnis des Konzils zu Papst, weltlichen Herrschern und Laien, den Geschäftsgang und die konziliare Terminologie.

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2. Der institutionelle und organisatorische Rahmen 23

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2. Der institutionelle und organisatorische Rahmen 2.1. Actiones synodales Die Forschung hat das Konzil bislang nur als eines von mehreren Foren zur Aus- tragung diverser Streitigkeiten der Zeit gesehen oder lediglich einzelne Konzilsväter als Protagonisten behandelt. In der vorliegenden Studie soll versucht werden, das Konzil selbst als Akteur zu verstehen. Denn die einzelnen Konzilsväter — sogar die prominentesten unter ihnen, die selbst großen persönlichen Einfluß auf die Geschichte dieser Versammlung genommen haben — agieren nicht losgelöst und unabhängig von der übergeordneten Instanz, der Synode. Inwieweit kann eine Korporation, ein Kollektiv als Subjekt einer Handlung fungieren? Jürgen Habermas kommt in seinen Ausführungen über die Frage nach einer `kollektiven Identität' und dem Selbstverständnis von Institutionen der Verfassung des Basler Konzils sehr nahe: „Starke Institutionen [im Gegensatz zu 'bloßen Organisationen'] bilden selbstbezügliche Traditionen und Praktiken aus, die vor allem zwei Funktionen erfüllen. Nach außen ermöglichen sie die sinnfällige Repräsentation in einer zwar selbst definierten, aber auf allgemeine Anerkennung angelegten Rolle — eine öffentlichkeitswirksame Interpretation der eigenen Leistung, die Symbolisierung der eigenen Bedeutung; nach innen artikulieren sie ein von Angehörigen oder Mitgliedern intersubjektiv geteiltes und normativ verpflichtendes Selbstverständnis. Dabei sprechen wir von so etwas wie der 'kollektiven Identität' einer Bürgerschaft, einer Gemeinde oder Belegschaft."' Schönrich dagegen diskutiert die Frage nach Identitätsfindung und gemeinsamer Meinungsbildung im Kollektiv nicht weiter und definiert Institutionen knapp „als handelnde Großsubjekte oder als Aggregate schein- bar gleichgerichteter individueller...

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