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Das Basler Konzil

Synodale Praxis zwischen Routine und Revolution

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Stefan Sudmann

Das Basler Konzil (1431-1449) hat sich nicht allein um eine Reform der Kirche an Haupt und Gliedern bemüht, sondern auch die Funktion einer Schiedsinstanz in zahlreichen kirchlichen und weltlichen Streitsachen eingenommen, Ketzer- und Kanonisationsprozesse geführt, dogmatische Entscheidungen gefällt und einen Plenarablaß ausgeschrieben. Damit stellte es bestehende Strukturen und vor allem die päpstliche Verfassung der Kirche in Frage. Diese Arbeit untersucht die in dieser umfassenden Agenda ausschlaggebenden Handlungsmuster, Konzepte und Strukturen, das Verhältnis des Konzils zu Papst, weltlichen Herrschern und Laien, den Geschäftsgang und die konziliare Terminologie.

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3. Negocia concilii — Das konziliare Tagesgeschäft 45

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3. Negocia concilii — Das konziliare Tagesgeschäft 3.1. Pax — Das Konzil als Schlichter und Richter `Konzil und Frieden'— so der Titel eines Aufsatzes von Heribert Müller aus dem Jahre 19961 — ist kein völlig neues Thema innerhalb der Forschung zum Basiliense. Schon in der Dissertation von Sieberg aus dem Jahre 1952 zur 'Diplomatie des Basler Konzils' hat der 'Friedensgedanke' ein eigenes Kapitel erhaltene. Als dritter Name sei van Leeuwen angeführt, der mit seiner Untersuchung über „het concilie van Bazel en zijn bemoeinissen ten behoeve van de vrede" — so der Untertitel seines Aufsatzes über `De praktijk van het vredeswerk' von 1980 — dieses Forschungsdesiderat als solches benannt und hier Abhilfe zu schaffen sich bemüht hat3. In den genannten Arbeiten ist vor allem versucht worden, den geistesgeschicht- lichen Hintergrund des konziliaren Friedensengagements darzulegen. Man hat auf die allgemeine Friedenssehnsucht des 15. Jahrhunderts verwiesen, die unter anderem auch in den Werken Gersons und des Cusanus erkennbar sei. Des weiteren hat die For- schung auf die visuelle Darstellung des Friedensgedankens in künstlerischen Werken hingewiesen, die eine Verbindung zu den spätmittelalterlichen Reformkonzilien auf- weisen4. Die Basler Synode gilt als „das einzige ökumenische Konzil, für das die Frie- densthematik solch zentrale Bedeutung hatte"; die anderen mittelalterlichen Synoden könnten dafür kaum als Vorbild gedient haben, eher das sich im Spätmittelalter ver- stärkt als Friedensstifter engagierende Papsttums. Zwar ist der Friedensgedanke bereits auf den vorangegangenen Synoden zu Konstanz — auch in speziellen Friedens- predigten6 — und Pavia-Siena thematisiert worden. Die Konstanzer...

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