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Die Burg im Minnesang und als Allegorie im deutschen Mittelalter

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Edited By Ricarda Bauschke-Hartung

In acht Aufsätzen haben sich Fachkolleginnen und -kollegen mit dem Phänomen «Burg» im Minnesang, in der Minnerede und als Minneallegorie des deutschen Mittelalters auseinandergesetzt. Besprochen werden der metaphorische Spielraum von Burgmotivik im «Hohen Sang», im Tagelied und in Ulrichs von Liechtenstein Frauendienst. Den burgfernen Ereignisräumen Neidharts und den historischen Burggebäuden im Leben Oswalds von Wolkenstein sind eigene Beiträge gewidmet. Das Spannungsverhältnis zwischen dem institutionalisierten Burgraum und der Diskursivität von Minne steht bei der Behandlung der Minnereden im Vordergrund. Untersuchungen zur Allegorie der Minneburg und zum burgnah konzipierten Kloster der Minne runden das Bild ab.

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Ricarda Bauschke (Berlin): Burgen und ihr metaphorischer Spielraum in der höfischen Lyrik des 12. und 13. Jahrhunderts 11

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Burgen und ihr metaphorischer Spielraum in der höfischen Lyrik des 12. und 13. Jahrhunderts von Ricarda Bauschke, Berlin I. Die höfische Liebeslyrik des 12. und 13. Jahrhunderts besitzt ein breites Spektrum an Liedtypen. Es werden unterschiedliche Sprechsituationen gestal- tet (Männermonologe und Frauenmonologe, Dialoge und Wechsel, Innen- schau und Außenschau), eine große Palette von Gefühlsregungen wird the- matisiert (von Liebesleid bis Liebesfreude), und es werden unterschiedliche Stadien im Fortgang einer Liebesbeziehung ausschnitthaft vorgeführt. Die Werbung bleibt das dominierende Thema, doch auch die erste Begegnung, der Akt des Verliebens, Zurückweisung und Enttäuschung, neue Hoffnung, Erfül- lung, Abschied und Trennung, Sehnsucht usw. können, im Freuden- bzw. Klagegestus formuliert, die Grundmotive eines Liedes bilden.' Ganz selten wird eine ‚Liebesgeschichte' von Anfang bis Ende referiert, vielmehr blenden die einzelnen Lieder nur auf eine jeweils ausgewählte Episode im Verlauf ei- ner stets neu zu imaginierenden Liebeshandlung. Oft zielt der Impetus dabei nicht allein auf die Ebene des Dargestellten, sondern auf die poetologischen Implikationen der Darstellung, so daß das Singen selbst zum eigentlichen Thema der Lieder wird. Trotz der zahlreichen Gestaltungsvarianten, die sich aus der Kombination die- ser aufgezählten Einzelaspekte ergeben, bleibt doch ein Phänomen für fast alle Lieder konstant: eine faktische oder pseudofaktische Umwelt wird meist nur ganz unkonkret oder sehr allgemein evoziert. Im Zentrum der Lieder ste- hen vielmehr das Innenleben der Figuren, ihre Gefühle, ihr momentaner inne- rer Zustand;2 und neben diesen Selbstreflexionen findet sich auch immer...

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