Show Less

Im Schatten eines anderen?

Schiller heute

Series:

Edited By András F. Balogh, Imre Kurdi, Magdolna Orosz and Péter Varga

Am Anfang eines neuen Jahrhunderts feierte man im Jahre 2009 den 250. Geburtstag von Friedrich Schiller. Das wichtigste Anliegen der Konferenz, die aus diesem Anlass am Lehrstuhl für deutschsprachige Literaturen am Germanistischen Institut der Eötvös Loránd Universität (ELTE) Budapest veranstaltet wurde, bestand darin, Schillers Werk (wenn auch nicht seine Person) aus dem Schatten zu holen. Nicht so sehr aus dem Schatten Goethes – was ja ebenso unmöglich wie unnötig ist –, sondern aus dem der Vergessenheit und des Verdachts, ganz und gar museal geworden zu sein. Neu gelesen wurden sowohl die dichterischen als auch die theoretischen Texte Schillers, um zu prüfen, was sie dem Leser hier und heute zu bedeuten vermögen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

4. Schiller in Ungarn

Extract

203 László Tarnói „... er war [auch] unser“ Ungarns Friedrich Schiller „Denn er war unser.“ Die Goetheworte vom Sommer 1805 auch auf uns, Ungarn zu beziehen, ist umso mehr begründet, da es gewiss keinen anderen Dichter der deutschen, ja sogar der Weltliteratur gibt, der in Ungarn die Entwicklung der Li- teratur und Kultur so lange, so vielfältig und so fruchtbar mitbestimmt hätte wie Friedrich Schiller. Diese einmalige Verbundenheit mit ihm und seinem Werk begann im Vielvöl- kerkönigreich bereits im Josephinischen Jahrzehnt und währte mit zunehmender Intensität bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts – sieben Jahrzehnte hindurch immer wieder tief eingreifend in die damals außerordentlich bedeutenden literari- schen und geistigen Innovationsprozesse des Landes, bei einer gleichzeitigen so- ziologischen Breitenwirkung, die recht oft weit über die Grenzen der Literatur, ja sogar über die der zeitgenössischen lesekundigen Welt reichte. Wie tief verankert seine Aufnahme im ehemaligen Königreich mit den rasch fortschreitenden Wandlungen der geistigen Positionen von dessen intellektueller Elite war, beweist die Tatsache, dass er, der bedeutendste deutsche Dramatiker, fortwährend mit der breiten Palette seines ganzen Œuvres, also nicht nur mit sei- nen Dramen, sondern auch mit den Ideen seiner theoretischen Schriften und ins- besondere mit seiner reifen Lyrik (etwa von der Freudenode an), Maßstäbe für den kulturellen Aufstieg in Ungarn setzte. Diese eminente Anerkennung aller Werke Schillers fasste 1807 in Pest ein deutschsprachiger Aufsatz stellvertretend für die meisten Zeitgenossen in die Worte: „Unter den Deutschen steht...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.