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Al-Ğuwaynīs Position im Disput zwischen Traditionalisten und Rationalisten

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Amir Dziri

Der muslimische Scholastiker Al-Ğuwaynī (gest.1089) lebte und wirkte in der als «formative Phase des Islam» (8.-12. Jahrhundert) bekannten Zeit. Diese wurde geprägt durch eine enorme theologische Dynamik, die zur Herausbildung diverser Denkschulen führte. Diese Arbeit zeichnet diese Entwicklung anhand der Ansätze Al-Ğuwaynīs nach und setzt diese in Bezug zu den Positionen der traditionalistischen und rationalistischen Strömungen. Weiter führt sie in die Grundfragen früh-islamischer Theologie ein, behandelt methodische Aspekte zur Hermeneutik der Offenbarung und vermittelt einen Eindruck islamischer Argumentation und Dialektik.

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II) BIOGRAPHIE AL-ǦUWAYNĪS 15

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15 II) Biographie al-Ǧuwaynīs 1) Zeithistorische Kontextualisierung 1.1) Politischer Kontext Die biographischen Eckdaten al-Ǧuwaynīs (1028–1085)31 setzen den Rahmen für die Betrachtung der politischen Verhältnisse des 11. Jahrhunderts der islami- schen Welt. Der Wirkungsort al-Ǧuwaynīs, an dem er den Großteil seines Le- bens verbrachte, entspricht dem Großraum Nishapur (Nīšāpūr ). Die Stadt gehört zur Provinz Khurasan (arab.: Ḫorāsān/ pers.: Chorâsân) und ist im Osten des heutigen Iran gelegen. Als Provinzstadt und lokaler Verwaltungssitz gewann sie frühzeitig an Bedeutung. Durch ihre Anziehungskraft gelang es ihr auch, über- regional den Ruf eines Kultur- und Wissenschaftszentrums zu etablieren.32 Die politische Landschaft des damaligen muslimischen Abbassiden-Reiches er- gab ein komplexes und uneinheitliches Herrschaftsbild. Das politische Machtge- füge war dezentral ausgerichtet mit einer starken Tendenz zur Bildung regiona- ler Herrscherdynastien, welche meist in ökonomischer und militärischer Hin- sicht von den Befugnissen des Kalifen in Bagdad unberührt blieben. Das Ver- hältnis des Kalifen und dieser Regionaldynastien beschränkte sich daher auf eine gegenseitige nominelle Anerkennung.33 In dem für uns relevanten Zeitraum be- kleideten zwei Kalifen das Amt. Von 1031-1075 waren al-Qāʾim bi-ʾAmrillāh und von 1075-1094 al-Muqtadī bi-ʾAmrillāh34 die obersten Vertreter des Kali- fats der Abbasiden. Die Kalifen hatten zu diesem Zeitpunkt bereits jede politi- sche Handlungsfähigkeit eingebüßt und führten das Leben am Hof lediglich mit Hilfe symbolischer Gesten weiter. Die faktische Abhängigkeit des Kalifen...

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