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Al-Ğuwaynīs Position im Disput zwischen Traditionalisten und Rationalisten

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Amir Dziri

Der muslimische Scholastiker Al-Ğuwaynī (gest.1089) lebte und wirkte in der als «formative Phase des Islam» (8.-12. Jahrhundert) bekannten Zeit. Diese wurde geprägt durch eine enorme theologische Dynamik, die zur Herausbildung diverser Denkschulen führte. Diese Arbeit zeichnet diese Entwicklung anhand der Ansätze Al-Ğuwaynīs nach und setzt diese in Bezug zu den Positionen der traditionalistischen und rationalistischen Strömungen. Weiter führt sie in die Grundfragen früh-islamischer Theologie ein, behandelt methodische Aspekte zur Hermeneutik der Offenbarung und vermittelt einen Eindruck islamischer Argumentation und Dialektik.

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IV) GRUNDFRAGEN DER SPEKULATIVEN THEOLOGIE 51

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51 IV) Grundfragen der spekulativen Theologie 1.) Von der Jurisprudenz zur Theologie Um die enge Verknüpfung zwischen Recht und Theologie aufzuzeigen, dient uns die prozessuale Rekonstruktion des maghrebinischen Gelehrten Ibn Ḫaldūn, da sie uns einen interessanten Zugang ermöglicht. Ibn Ḫaldūn unterteilt die Religion (dīn) in „Pflichten des Körpers“ (at- takālīf al-badaniyyah) und in „Pflichten des Herzens“ (at-takālīf al-qalbiyyah). Den ersten Teil der Unterteilung rechnet er der Jurisprudenz (fiqh) zu, womit der Bereich der Religion gemeint ist, der für die ordentliche Verrichtung und Erfül- lung der gottgegebenen Pflichten aufkommen soll.164 Den Prozess der Entwick- lung der Jurisprudenz, die Hierarchierung und Legitimierung ihrer Quellen in Bezug auf die Position al-Ǧuwaynīs versuchten wir in Kapitel III darzulegen. Die zweite Unterteilung deckt den Bereich der Verpflichtung gegenüber den Glaubensinhalten (ʾimān), oder auch der Theologie ab. Gemäß einer Überliefe- rung des Propheten Muḥammad, auf welche sich die muslimischen Gelehrten stützen, umfassen die Glaubensartikel (al-ʿaqāʾid al-ʾimāniyyah) sechs Punkte: der Glaube an a) Gott, b) seine Engel, c) seine offenbarten Schriften, d) seine Gesandten, e) den Jüngsten Tag, f) und den Glauben an die Vorherbestimmung, sei sie gut oder schlecht.165 Diese Unterteilung ist der Ausgangspunkt unserer Betrachtungen in den je- weiligen Bereichen, wobei vorweg genommen sein soll, dass ihre Entwicklun- gen entsprechend der Darstellung Ibn Ḫaldūns korrelativ miteinander einhergin- gen und sich gegenseitig bedingten. Seit wann der Terminus „kalām“ als solcher im...

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