Show Less

Al-Ğuwaynīs Position im Disput zwischen Traditionalisten und Rationalisten

Series:

Amir Dziri

Der muslimische Scholastiker Al-Ğuwaynī (gest.1089) lebte und wirkte in der als «formative Phase des Islam» (8.-12. Jahrhundert) bekannten Zeit. Diese wurde geprägt durch eine enorme theologische Dynamik, die zur Herausbildung diverser Denkschulen führte. Diese Arbeit zeichnet diese Entwicklung anhand der Ansätze Al-Ğuwaynīs nach und setzt diese in Bezug zu den Positionen der traditionalistischen und rationalistischen Strömungen. Weiter führt sie in die Grundfragen früh-islamischer Theologie ein, behandelt methodische Aspekte zur Hermeneutik der Offenbarung und vermittelt einen Eindruck islamischer Argumentation und Dialektik.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

VII) METHODOLOGISCHE UND EPISTEMOLOGISCHE GRUNDLAGEN 103

Extract

103 VII) Methodologische und epistemologische Grundlagen 1.) Einführung In den letzten Kapiteln wurden diverse Thesen und Theorien hinsichtlich der Kernaspekte der Theologie, gleichsam von Traditionalisten, Muʿtazilīten und Vertretern der ʾAšʿarīten, besonders die von al-Ǧuwaynī, vorgestellt und in ge- genseitigem Bezug gesetzt. In diesem Anschnitt wird es darum gehen, die me- thodologischen und epistemologischen Prämissen der jeweiligen Schulrichtun- gen gegeneinander in Vergleich zu setzen. 2.) Innerkonfessionelle Diversität Fragen nach der innerkonfessionellen Diversität waren bereits frühzeitig Ge- genstand zahlreicher Kontroversen, welche sich vorwiegend um ihre juristische Kategorisierung drehten. In Anbetracht der internen religiösen Zersplitterung und der etlichen, zu Tage getretenen Schismen, stellte sich die Frage, wie jene Diversität zu bewerten und wie mit ihr zu hantieren sei? Diesbezüglich waren viele Traditionen im Umlauf, von denen die einen die Diversität als göttliche Gnade und Barmherzigkeit der muslimischen Gemeinschaft gegenüber doku- mentierten, die anderen hingegen dieselbe Diversität als schicksalhafte Zersplit- terung und Zerstückelung der religiösen Einheit verurteilten.318 Letzter Standpunkt war der von den Traditionalisten vertretene. Einige unter ihnen lehnten Überlieferungen mit positiven inhaltlichen Darstellungen als erlo- gen (mawḍuʿ) ab. Andere, so verweist darauf Goldziher, beschränkten die in- haltlichen Aussagen über die Gnade der Diversität auf einen rein juristischen Pluralismus, nicht jedoch auf einen theologischen.319 Vor dem Hintergrund der Überlieferung der Zersplitterung in 73 Gruppen320, von denen lediglich eine in das Paradies und die restlichen in die Hölle kämen, waren die...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.