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Die Transzendenz des Anderen

Mitsein als Kristallisationspunkt transzendentalphilosophischen Denkens in «Sein und Zeit»

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Patricia Daniela Kaul

Inwiefern kann Heidegger in Sein und Zeit seinem Anspruch gerecht werden, die Bewusstseinsphilosophie zu überwinden? ‘Dasein’ soll als Konzept den Begriff des Subjekts nicht ersetzen, sondern vielmehr die Subjekt-Objekt-Spaltung als solche unterlaufen. So bringt ‘In-der-Welt-sein’ paradigmatisch zum Ausdruck, dass ‘Dasein’ immer schon handelnd bei seiner Welt ist und alle epistemologische Reflexion demgegenüber sekundär. Trotzdem kann die Fundamentalontologie als eine Form von Transzendentalphilosophie gedeutet werden. Denn den Anderen als mir äußerlichen, nicht von mir konstituierten zu denken, ist von entscheidender Bedeutung für besagte Intention Heideggers. Dass es ihm nicht gelingt, diese Unabhängigkeit konzeptionell zu fassen, spiegelt sich in den immanenten Problemen der Mitseinsanalyse, die selbst als – explizit im Sinne Kants – transzendentalphilosophische deutbar sind.

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III.‚Mitsein’ als Transzendentalphilosophie des Anderen 45

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45 III. ‚Mitsein’ als Transzendentalphilosophie des Anderen 1. Die Mitseinsanalyse in ‚Sein und Zeit’ a. Die Frage nach dem Sinn von Sein als Leitfrage von ‚Sein und Zeit’ Um nun die Mitseinsanalyse Heideggers und die hier zur Debatte ste- hende These von ihrer transzendentalen Verfasstheit eingehender be- sprechen und diskutieren zu können, soll zunächst ein zusammenfas- sender Überblick darüber gegeben werden, auf welche Weise und in welchem argumentativen Kontext der Anspruch der Originalität des Da- seinsbegriffs gegenüber dem Subjektbegriff, wie er sowohl von als auch für Heidegger111 beansprucht wird, expliziert wird. Schon die der Einleitung von ‚Sein und Zeit’ vorangestellten Worte ma- chen deutlich, dass Heidegger mit seiner Untersuchung keine im klas- sischen oder Kantischen Sinne erkenntnistheoretische Absicht verfolgt. Es sei, so Heidegger, vielmehr die vergessene Frage nach dem ‚Sinn von Sein’, die es hier neu zu stellen gelte.112 Obgleich diese durchaus das Denken von Platon und Aristoteles noch ‚in Atem gehalten habe’, seien gerade auf der Grundlage der griechischen Seinsauslegung in der abend- ländischen Philosophie wesentliche Vorurteile entstanden, die ein sol- ches Versäumnis stützten:113 ‚Sein’ wurde als der allgemeinste und leerste, aus diesem Grund undefinierbare, aber doch selbstverständliche Begriff aufgefasst.114 Gerade diese Undefinierbarkeit des Begriffs, die nicht in dessen ‚höchster Allgemeinheit’, sondern in dem Umstand, dass ‚Sein’ gar „nicht so etwas wie Seiendes“115 sei, liege, sowie das in der gebrauchenden Selbstverständlichkeit des Begriffs angedeutete durch- schnittliche Seinsverständnis, das „nur die [eigentliche, d. Verf.] Unver-...

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