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Montenegrizität

Sprache und Kirche im Spiegel des Identitätsdiskurses in der Republik Montenegro 1990-2007

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Daniel Grabic

Die ethnische Komponente des zeitgenössischen montenegrinischen Nationsbildungsprozesses zielt auf eine Ausdifferenzierung montenegrinischen Identitätsbewusstseins im Sinne einer Abgrenzung zum Serbentum. Um diese Entwicklung verständlich zu machen, wird in dieser Arbeit eine Untersuchung der identitätspolitischen Prozesse innerhalb der montenegrinischen Gesellschaft seit 1990 vorgenommen. Der Schwerpunkt liegt auf der an dieser Ausdifferenzierung maßgeblich beteiligten montenegristischen Bewegung, dem wissenschaftlichen Flügel einer in der Forschung wenig beachteten montenegrinischen Nationalbewegung. Durch eine Medieninhaltsanalyse des sprach- und kirchenpolitischen Identitätsdiskurses dieser Akteursgruppe im politischen Magazin Monitor wird die Entstehung und Weiterentwicklung des Identitätsangebots der Montenegristen nachgezeichnet.

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1 Einleitung 1

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1 Einleitung Am 21. Mai 2006 sprach sich in einem Referendum eine knappe Mehrheit der montenegrinischen Bevölkerung für ein Ende der Staatengemeinschaft mit Ser- bien und damit für die Wiedererlangung der Unabhängigkeit ihres Landes aus. Mit dieser Entscheidung schloss sich ein Kreis, der nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, 88 Jahre zuvor, mit dem umstrittenen Anschluss Montenegros an Serbien seinen Anfang genommen hatte: Strittig war damals nicht der Akt der Vereinigung an sich, da damit ein tief im montenegrinischen Identitätsbewusst- sein verankerter Traum der Einheit aller serbischen Völker verwirklicht wurde. Vielmehr war es die Art und Weise seines Zustandekommens, der die monte- negrinische Bevölkerung entlang der Bruchzone gegensätzlicher serbischer und montenegrinischer Politikinteressen spalten und in seinen Auswirkungen alle nachfolgenden gesellschaftlichen Entwicklungen und politischen Prozesse be- einflussen sollte. Seit dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawien wurde der montenegrinischen Be- völkerung die politische Lösung der Montenegrinischen Frage zweimal zur Ab- stimmung gegeben: In der Volksabstimmung von 1992 zeichnete sich noch eine deutliche Zustimmung zur Union mit Serbien ab, 2006 hingegen überwog der Wille zur Eigenstaatlichkeit. Wie im Folgenden gezeigt wird, deuten die Ergebnisse der Volkszählung von 2003 und des erfolgreichen Referendums von 2006 unmissverständlich darauf hin, dass diesem jüngsten Abschnitt des montenegrinischen Nationsbildungs- prozesses nicht nur eine politische Komponente zu grunde liegt, sondern auch eine ethnische. Diese ist verbunden mit einer Ausdifferenzierung montenegri- nischen Identitätsbewusstseins im Sinne einer Abgrenzung und Unterscheidung zwischen Montenegrizität und Serbentum. Um diese Entwicklung...

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