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Politische Philosophie eines modernen Idealismus

Ideologiekritik, Politikwissenschaft, Staatsdenken

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Wolfgang Caspart

Ein moderner Idealismus stützt sich auf den transzendentalen Charakter der wissenschaftlichen Axiomatik wie auf die indeterministischen Ergebnisse der modernen Naturwissenschaften. Die Flucht in die Ideologie, Utopie oder Dogmatik hat nur derjenige nötig, welcher zur Transzendierung unfähig ist. Die Zusammenfassung und Einordnung der empirischen Theorien, Teilwerte und einzelreligiösen Bekenntnisse erfolgen durch ihre Überhöhung in den höchsten Ideen. Der Mangel an dem hierzu erforderlichen hermeneutischen Verständnis zwingt zu Ersatzvorstellungen in Form beliebig verabsolutierter empirischer Theorien oder Hypothesen, Teilwerte und konfessioneller Dogmen. Diese kommen nicht wissenschaftlich, sittlich oder göttlich geboten zustande, sondern werden willkürlich gesetzt. Der Realismus in der Lebensbewältigung bis hin zur Politik liegt in der gekonnten transzendentalen und ethischen Handhabung beschränkter Modelle.

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Einleitung 6

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7 EINLEITUNG Wenn die Erde das geopolitische Spielfeld der Geschichte ist, sind die Men- schen die Spieler. Der Erfolg der Spieler und die von ihnen errungene Macht sind wesentlich eine Frage des Willens und der ihm zugrunde liegenden Vorstel- lungskraft. Auch und gerade im Zeitalter fortschreitender Globalisierung sind Völker die größten bleibenden, unverwechselbaren und unvertauschbaren Ein- heiten der Weltgeschichte und -politik. Sie sind das Größte nicht bloß künstlich Gemachte und noch natürlich Gewachsene. Durch alle Krisen der Menschheit gewährleisten nur sie den Fortbestand der entfalteten Gesittung. Vor allem aus ethischer Verantwortung für seine Mitwelt wendet sich der Idea- list auch der Politik zu. Der Idealist wird sich von der Politik nicht das Paradies auf Erden erwarten, dazu ist ihm die Immanenz zu nichtig. Doch wird sie ihn auch nicht gleichgültig lassen, denn er handelt nicht in luftleerem Raum und weiß sich von den Wechselwirkungen mit anderen Willen betroffen. Angesichts der metaphysischen Anfangsgründe wie der Ergebnisse der modernen Naturwis- senschaft besteht kein Grund, irgendeine empirische Theorie oder ein einziges Modell überzubewerten. Vielmehr wird sich der Idealist flexibel der naturwis- senschaftlichen Theorien und Modelle bedienen, um in seinen politischen Hand- lungen dem ethischen Anliegen realistisch und rational zum Durchbruch zu ver- helfen. Das Ja zum Leben vollzieht sich beim Individuum normalerweise in der Familie, im Beruf und im Freundeskreis, bei der Politik aber im Staat und im Volk. Poli- tik und Staat sind mehr als ein Tollhaus der vergeblichen Leidenschaften (Im- manuel Kant)...

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