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Politische Philosophie eines modernen Idealismus

Ideologiekritik, Politikwissenschaft, Staatsdenken

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Wolfgang Caspart

Ein moderner Idealismus stützt sich auf den transzendentalen Charakter der wissenschaftlichen Axiomatik wie auf die indeterministischen Ergebnisse der modernen Naturwissenschaften. Die Flucht in die Ideologie, Utopie oder Dogmatik hat nur derjenige nötig, welcher zur Transzendierung unfähig ist. Die Zusammenfassung und Einordnung der empirischen Theorien, Teilwerte und einzelreligiösen Bekenntnisse erfolgen durch ihre Überhöhung in den höchsten Ideen. Der Mangel an dem hierzu erforderlichen hermeneutischen Verständnis zwingt zu Ersatzvorstellungen in Form beliebig verabsolutierter empirischer Theorien oder Hypothesen, Teilwerte und konfessioneller Dogmen. Diese kommen nicht wissenschaftlich, sittlich oder göttlich geboten zustande, sondern werden willkürlich gesetzt. Der Realismus in der Lebensbewältigung bis hin zur Politik liegt in der gekonnten transzendentalen und ethischen Handhabung beschränkter Modelle.

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2. Teil Politikwissenschaft 47

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53 2. TEIL POLITIKWISSENSCHAFT 2.1 KLAVIATUR DER MÖGLICHKEITEN Ein unzufriedener Kunde wechselt das Produkt (Koppelmann 1987) - ein unzu- friedener Bürger die Partei. Ein erfolgloser Manager wird gekündigt und findet keine neue Verwendung, ein bankrotter Unternehmer ist ruiniert, und ein fehl- planender Brückenbau-Ingenieur landet vor Gericht (Dielmann 1981). Eine er- folglose Regierungsmannschaft verliert eine Wahl und geht bei Verlust der par- lamentarischen Mehrheit in die Opposition. AM ENDE DER IDEOLOGIEN In Zeiten der Entideologisierung ist ein politischer Wechsel für niemanden eine Katastrophe: Meist findet in ihm bloß eine Rotation der Fraktionen oder ein neues Bündnissystem innerhalb einundderselben Oligarchie statt. Trotz aller scheinbaren oder tatsächlichen parteipolitischen Gegensätze wird sie zwecks gemeinsamer Machterhaltung letztlich doch zusammengehalten. Solange sich die Oligarchie einig ist, kann sie auch durch Wahlen nicht abgelöst werden, da durch sie nur das Kräfteverhältnis zwischen ihren Fraktionen hin und her ver- schoben, aber nie sie selbst beseitigt wird. Insofern ist der Parlamentarismus tat- sächlich ein recht stabiles System (Caspart 1991, S. 260). Keine politische Ansicht oder ,,Weltanschauung“ hat für alle Zeiten den „Stein der Weisen“ gefunden. Die metaphysischen Anfangsgründe (Kant 1786) wie die Ergebnisse der modernen Naturwissenschaft (Schrödinger 1966) zeigen die Be- schränktheit empirischer Theorien und einzelner Modelle. Ein politischer Er- neuerer ist daher gut beraten, sich flexibel der naturwissenschaftlichen Theorien und Modelle zu bedienen, um seine Anliegen realistisch und rational zum Durchbruch zu verhelfen (Weinke 1977). Da alle erfahrungswissenschaftlichen Erkenntnisse grundsätzlich nur...

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