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Kommentare

Interdisziplinäre Perspektiven auf eine wissenschaftliche Praxis

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Edited By Thomas Wabel and Michael Weichenhan

Texte, die zu den geistigen Grundlagen einer Gesellschaft gehören, mögen heute nicht mehr oft gelesen werden, aber sie werden kommentiert. Längst scheint es, als sei der Kommentar an die Stelle des Textes getreten. Kommentierung gehört zur Grundlage geisteswissenschaftlichen Arbeitens. Die Beiträge dieses Bandes reflektieren die eigene wissenschaftliche Praxis des Kommentierens aus der Sicht von Theologie, Philosophie, Rechtswissenschaft und Religionswissenschaft. Die interdisziplinäre Verständigung über diese Praxis gibt zugleich Hinweise auf die gesellschaftlichen und kulturellen Vollzüge, in denen sich Kommentierung als Aktualisierung fundierender Texte ereignet.

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Text und Wissen. Die gnostische Beschäftigung mit dem Johannesevangelium 27

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TextundWissen.DiegnostischeBeschäftigung mitdemJohannesevangelium JOHANNABRANKAER 1.Einleitung:JohannesunddieGnosis1 Die Frage nach eventuellen gnostischen Einflüssen im Johannes evangelium geht auf die Antike zurück, wo Irenäus (Adv.Haer.I,26,1; III,11,1f.) gegen die Beschuldigungen, es gehe hier um einen Text des GnostikersKerinth,behauptete,dassderEvangelistvielmehreinGegner diesesgnostischenMeistersundseinerTheologiewar.DasvierteEvan geliumwurdeschonim2.JahrhundertimHinblickaufdieGnosisinter pretiert,undzwarsowohlinpositiverwienegativerWeise. Diese Frage nach den gnostischen Einflüssen beschäftigt die neutesta mentlichenExegetenbisheute.MiterneuterBegeisterungwurdesieaber indererstenHälftedesvorigenJahrhundertsdiskutiert,alssichdieRe ligionsgeschichtliche Schule für diese Problematik interessierte, und zwarunterdemStichwortdes„antikenSynkretismus“. Behauptetwurde,dassnichtnurdie johanneischeSpracheundBegriff lichkeit,sondernauchdasDenkendesviertenEvangelistenvongnosti schen Einflüssen geprägt gewesen sei. Diese Hypothese hat entspre chendheftigeGegenreaktionenhervorgerufen. Rudolf Bultmann vertrat die Position, dass „Johannes“ sich in seinem EvangeliummitderGnosis auseinandergesetzt hat. Er hat unter ande rem in seiner Theologie des NT die Hypothese vertreten, dass die vom Evangelistenbenutzte„Offenbarungsquelle“durchdengnostischenMy thusdesSoters(Erlösers)unddes‚präexistenten‘Menschenstarkbeeinf lusst war. Der Evangelist hätte demnach dasMaterial nur verwendet, 1 Dieser Abschnitt basiert auf J.M. Sevrin, Le quatrième évangile et le gnosti cisme:questionsdeméthode,in:LaCommunautéjohanniqueetsonhistoire.La trajectoiredel’évangiledeJeanauxdeuxpremierssiècles,hgg.vonJ.D.Kaes tli, J.M. Poffet, J. Zumstein, Genève 1990, 251–268, und auf W. Schmithals, NeuesTestamentundGnosis(ErträgederForschung208),Darmstadt1984. 28 Johanna Brankaer umsichdestobesser vonderGnosis zuunterscheiden.Einedemgege nüber konträre Meinung wurde von seinem Schüler Ernst Käsemann vertreten,derimJohannesevangeliumeineArtvonnaivemDoketismus sah, der aus seinem Verfasser einen unfreiwilligen oder unbedachten Gnostikermacht.DieseThesewurdevonLuiseSchrottroffweiterentwi ckelt.Sieschrieb1970: „Johannes ist das erste uns ausführlicher bekannte System einerGnosis, diesichchristlicheTraditionenadaptiert.MitdemJohannesevangeliumist diegnostischeHeilslehreindenKanongelangt.“2 Der ‚Entscheidungsdualismus‘,derdurchBultmanndemontologischen oderkosmologischenDualismusderGnostikergegenübergestelltwurde, wirddurchLuiseSchrottroffundandereSpezialistenalsAusdruckoder Weiterentwicklungeines‚ontokosmologischen‘Dualismusangesehen. InderheutigenExegesewirddieFragenachdengnostisierendenoder antignostischen Tendenzen des vierten Evangeliums kaum noch ernst genommen.DieGnosisistnachweislicherstabdem2.Jahrhundertwirk lichgutbelegt.EineKonstruktion,dieaufderBasisneutestamentlicher Textstellen für...

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