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Der Fall Eluana

Politische und ethische Probleme im Umgang mit Menschen in dauerhafter künstlicher Lebenserhaltung

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Alexander Hevelke

Die normativen Fragen und Probleme um die Aufnahme und Weiterführung von lebenserhaltenden medizinischen Maßnahmen begegnen uns immer wieder. Zu den wohl prominentesten Beispielen zählt der Fall der Eluana Englaro. Im Rahmen dieser Arbeit kommen vor allem drei normative Konzepte zur Anwendung: Es sind Menschenwürde, Autonomie und Lebensrecht/-interesse/-wert. Dabei wird zuerst untersucht, wie die jeweiligen Konzepte im Rahmen der Fragestellung am sinnvollsten zu verstehen sind, um sie dann auf drei exemplarische Fallbereiche von Patienten in dauerhaft künstlicher Lebenserhaltung anzuwenden. Daraus ergeben sich eine ganze Reihe spezifischer Fragen wie etwa nach der Bindungskraft früherer Entscheidungen oder der Verwendbarkeit des Wertes des Lebens als Gegenpol zum Selbstbestimmungsrecht.

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Einleitung

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Eluana Englaro hatte 1992, kurz nach ihrem einundzwanzigsten Geburtstag, ei- nen Autounfall.1 Dieser führte zu einem schweren Hirntrauma und ließ sie in einem permanenten vegetativen Zustand zurück. Eluana wurde in einer privaten Klinik versorgt, die sich später weigerte der Forderung ihres Vaters nach einer Beendigung der künstlichen Lebenserhaltung nachzukommen. Eluana hatte kei- ne Patientenverfügung verfasst (eine solche wäre im italienischen Recht auch nicht vorgesehen gewesen und hätte keine rechtliche Bindungskraft gehabt), sich aber zu früheren Zeitpunkten mehrfach zu dem Thema geäußert und betont, dass sie im Falle eines Komas keine dauerhafte künstliche Lebenserhaltung wünsche. Der Fall ging durch die gerichtlichen Instanzen bis der Vater schließlich Recht bekam. Eluana starb am 9. 2. 2009, nach fast siebzehn Jahren Wachkoma. In Anlehnung an den Fall Eluana soll in dieser Arbeit die Frage thematisiert werden, unter welchen Bedingungen und warum lebenserhaltende Maßnahmen beendet, bzw. weitergeführt werden sollen. Besondere Aufmerksamkeit soll da- bei der Frage gewidmet werden, welche moralischen Prinzipien und Konflikte hinter diesem Problem stehen. Die Arbeit ist damit in erster Linie normativ aus- gerichtet. Ich werde nur bedingt auf geltendes Recht eingehen und die Beson- derheiten des italienischen Rechtssystems weitestgehend außer Acht lassen. Der etwas unpräzise Begriff der "künstlichen Lebenserhaltung" bezieht sich an dieser Stelle auf künstliche Ernährung und/oder Beatmung. Es mag andere Behandlungsformen geben, wie etwa Blutwäsche bei Dialysepatienten, die tech- nisch gesehen ebenfalls unter den Begriff der künstlichen...

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