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Der Fall Eluana

Politische und ethische Probleme im Umgang mit Menschen in dauerhafter künstlicher Lebenserhaltung

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Alexander Hevelke

Die normativen Fragen und Probleme um die Aufnahme und Weiterführung von lebenserhaltenden medizinischen Maßnahmen begegnen uns immer wieder. Zu den wohl prominentesten Beispielen zählt der Fall der Eluana Englaro. Im Rahmen dieser Arbeit kommen vor allem drei normative Konzepte zur Anwendung: Es sind Menschenwürde, Autonomie und Lebensrecht/-interesse/-wert. Dabei wird zuerst untersucht, wie die jeweiligen Konzepte im Rahmen der Fragestellung am sinnvollsten zu verstehen sind, um sie dann auf drei exemplarische Fallbereiche von Patienten in dauerhaft künstlicher Lebenserhaltung anzuwenden. Daraus ergeben sich eine ganze Reihe spezifischer Fragen wie etwa nach der Bindungskraft früherer Entscheidungen oder der Verwendbarkeit des Wertes des Lebens als Gegenpol zum Selbstbestimmungsrecht.

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2. Autonomie

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2.1 Unterschiedliche Bedeutungen des Autonomiebegriffs In der aktuellen Diskussion um Sterbehilfe, Patientenwillen und die Beendigung von künstlicher Lebenserhaltung konkurrieren zwei Formen der Autonomie als moralisches Prinzip miteinander: „Im einen Fall ist mit ‚Autonomie‘ der An- spruch auf eine an Kant angelehnte, auf Willensfreiheit beruhende, unbedingte, rein moralische Selbstbestimmung gemeint. Im anderen Fall deckt ‚Autonomie‘ alles ab, was eine Person zu einem Zeitpunkt will, und zwar unabhängig von dessen moralischer Dignität und von der Frage, ob und in welcher Hinsicht die Person in ihrem Wollen frei ist.“43 Vossenkuhl bezeichnet erstere als moralische Autonomie und zweitere als individuelle Autonomie, ich werde diese Begriffe der Einfachheit halber übernehmen. Will man entscheiden, welche dieser beiden sich gegenseitig weitestgehend ausschließenden44 Konzepte von Autonomie sich sinnvoll auf unseren Fall an- wenden lassen, lohnt es sich, den Begriff der Autonomie näher zu untersuchen: Man kann den Begriff in verschiedene Bedeutungsbereiche unterteilen:45 Die drei für unsere Fragestellung relevantesten sind die Autonomie als Fähig- keit, als Zustand und als Recht. Autonomie ist dabei durch zwei Faktoren ge- kennzeichnet: durch die Fähigkeit zu rationalen Entscheidungen auf der einen Seite, und der von außen unbeeinflussten Entscheidung auf der anderen. Dies zumindest ist sowohl mit der oben genannten moralischen als auch mit der indi- viduellen Autonomiekonzeption vereinbar. Der Begriff der "unbeeinflussten Entscheidung" ist an dieser Stelle aller- dings notwendigerweise etwas relativ zu verstehen. Weder verlangt er die voll- ständige Herauslösung der Person aus seinem kulturellen Kontext, noch eine "Unbeeinflussbarkeit"...

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