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Der Fall Eluana

Politische und ethische Probleme im Umgang mit Menschen in dauerhafter künstlicher Lebenserhaltung

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Alexander Hevelke

Die normativen Fragen und Probleme um die Aufnahme und Weiterführung von lebenserhaltenden medizinischen Maßnahmen begegnen uns immer wieder. Zu den wohl prominentesten Beispielen zählt der Fall der Eluana Englaro. Im Rahmen dieser Arbeit kommen vor allem drei normative Konzepte zur Anwendung: Es sind Menschenwürde, Autonomie und Lebensrecht/-interesse/-wert. Dabei wird zuerst untersucht, wie die jeweiligen Konzepte im Rahmen der Fragestellung am sinnvollsten zu verstehen sind, um sie dann auf drei exemplarische Fallbereiche von Patienten in dauerhaft künstlicher Lebenserhaltung anzuwenden. Daraus ergeben sich eine ganze Reihe spezifischer Fragen wie etwa nach der Bindungskraft früherer Entscheidungen oder der Verwendbarkeit des Wertes des Lebens als Gegenpol zum Selbstbestimmungsrecht.

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3. Leben: Interesse, Recht oder unabhängiger Wert?

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3.1 Leben als auf Interessen basiertes Recht und die Rolle des Paternalismus Ich möchte mich an dieser Stelle nicht näher in Argumentationen vertiefen, dass oder warum ein Recht auf Leben besteht. Die Existenz eines solchen Rechts wird kaum jemand bestreiten, der nicht gerade Konzepte von individuellen Frei- heiten und persönlichen Rechten generell ablehnt. Insofern werde ich im Fol- genden einfach davon ausgehen, dass ein Recht auf Leben mindestens im Sinne eines Interventionsverbots existiert. Wir haben ein Recht darauf, nicht durch die Handlungen Anderer oder durch den Staat aus dem Leben gerissen zu werden. Natürlich hat das Recht auf Leben eine gewisse Sonderstellung unter den Rechten. Das Leben ist die Bedingung, um überhaupt so etwas wie Rechte oder Interessen besitzen zu können. Das mag dazu verleiten, das Recht auf Leben weniger als eigenständiges Recht, denn als Bedingung für Rechte überhaupt zu interpretieren. Das Recht auf Leben ist aber mehr als nur eine Ansammlung oder logische Folge von eigentlich unabhängigen Ansprüchen. Wer mich umbringt, nimmt mir zwar gleichzeitig die Möglichkeit, Dinge zu besitzen, meine Karriere zu verfolgen, oder so etwas wie Selbstachtung zu erhalten. Er verletzt aber nicht nur mein Recht daran, diese Dinge zu tun oder zu haben, er verletzt in erster Li- nie mein Recht auf Leben, welches auch unabhängig von ihnen besteht. Auch wenn ich an dieser Stelle auf eine genaue Erörterung verschiedener Konzeptionen von Rechten verzichten will, möchte ich zwei generelle Annah- men über die...

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