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Juristische und ökonomische Prognosemethoden und -modelle in der Fusionskontrolle

Titos Markopoulos

Das Buch widmet sich der Vorstellung rivalisierender juristischer und ökonomischer Modelle und Prognosemethoden zur Erfassung von Wettbewerbsverzerrungen nach einem Zusammenschluss. Herkömmliche, dem Vorwurf der legalistischen, formalistischen Denkrichtung ausgesetzte Prognosemethoden müssen empirischen und «high-tech» ökonometrischen Prognosemethoden gegenübergestellt werden. Deren Stärken und Schwächen werden im Buch ausgiebig diskutiert und gegeneinander abgewogen. Die Unmöglichkeit der direkten Prognose von Marktmacht wird dargelegt, die Modelle und Methoden der Prognose nicht-koordinierter Effekte auf homogenen Märkten untersucht und Modelle und Methoden für die Prognose nicht-koordinierter Effekte auf heterogenen Märkten kritisch betrachtet. Weiterhin werden die Methoden der Prognose der Wirksamkeit des potentiellen Wettbewerbs untersucht und die komplexen Methoden der Prognose von koordinierten Zusammenschlusswirkungen vorgestellt und analysiert. Die Verwaltungspraxis, die Rechtsprechung und die Literatur zu diesen Themen werden umfassend und kritisch untersucht. Die herkömmlichen Prognosemethoden sind qualitativ-wertender und abwägender Natur. Die nach Einführung der neuen FKVO favorisierten Methoden sind dagegen quantitativ. Im Buch wird gezeigt, dass nur eine Mischung aus qualitativ-wertenden und quantitativen Methoden eine dem erforderlichen Beweismaß in der Fusionskontrolle genügende Prognose zeitigen. Es besteht keine Möglichkeit, objektive Prognosen anzustellen. Gemischt qualitativ-quantitative Prognosemodelle und -methoden bedingen eine Entscheidung des Rechtsanwenders unter Unsicherheit.

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Kapitel E: Die Prognose koordinierter Zusammenschlusswirkungen

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1) Rechtserhebliche allgemeine Erfahrungssätze und Mustervoraussagen a) Marktbeherrschung durch Kollusion und Kollusionspa- rameter Durch einen Zusammenschluß wird die Marktkonzentration erhöht. Die Markt- anteile der neuen Wettbewerbseinheit sind viel höher als die Marktanteile jedes einzelnen Zusammenschlusspartners vor dem Zusammenschluss. Die veränder- ten Absatzbedingungen können der neuen Wettbewerbseinheit Verhaltensspiel- räume eröffnen, die in begrenztem Umfang dem Wettbewerbsdruck durch das Abnehmer- das Lieferanten- und das Mitbewerberverhalten ausgesetzt sind. Der daraus resultierende Zuwachs an Marktmacht der Zusammenschlussparteien löst Preis- und Mengenveränderungen aus, die wie das Cournot-Modell beispiels- weise prognostiziert, in einer Reduzierung der Ausbringungsmengen und daraus resultierenden Preiserhöhungen bestehen1273. Die allgemeine Theorie koordinier- 1273 vgl. Kinne, Effizienzvorteile, S. 55; Augustin Cournot (1801-1877) hat in seiner Abhandlung „Recherches sur les prin- cipes mathematiques de la theorie des richesses“ im Jahre 1838 seine berühmte Dyo- pol- und Oligopoltheorie vorgestellt. Man könnte ihn als den Begründer der Spieltheo- rie bezeichnen, denn er hat als erster an einem konkreten Beispiel das Nash- Gleichgewicht bestimmt, ohne natürlich die mathematische Ableitung von John Nash schon damals gewußt zu haben. In seinem Modell, das seine Theorie formal (mathematisch) darstellen sollte, treffen zwei Unternehmen ihre Mengenentscheidungen simultan. Die Unternehmen bestim- men ihre Ausbringungsmengen als Reaktion auf die erwartete Mengenentscheidung ih- res Mitbewerbers. Die beste Reaktion auf die erwartete Ausbringungsmenge des Mit- bewerbers wird von der so genannten Reaktionsfunktion jedes einzelnen Unterneh- mens vorgegeben. Im statischen Cournot-Modell antwortet jedes Unternehmen nicht auf die tatsächliche Mengenentscheidung des Konkurrenten,...

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