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Schulgeschichte in Deutschland

Von den Anfängen bis in die Gegenwart- 2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Gert Geißler

Der Autor legt eine Gesamtdarstellung zur deutschen Schulgeschichte vor. Mit der Behandlung wichtiger gesellschaftlicher Bezugsfelder der Schule rückt er Erziehungs- und Sozialisationsverhältnisse in den Blick. In der unmittelbar institutionsgeschichtlichen Dimension macht er vor allem Entwicklungen in Recht und Verwaltung der Schule, in der Schulerziehung, in den Unterrichtsfächern und im Leistungsverständnis sichtbar. Gleichermaßen dargestellt finden sich Schulalltag, Schulbau und die Schulstrukturverhältnisse. In die Betrachtung einbezogen sind außer der Pflichtschule auch die beruflichen Schulen, ebenso die Einrichtungen im Bereich der frühkindlichen Erziehung, der Sozialerziehung und der Lehrerbildung. Die Schulpolitik wird mit Blick auf das Agieren des Gesamtstaates, der einzelnen Länder, der Kirchen, von Parteien und Verbänden verdeutlicht. Es werden Bezüge zur internationalen Schulentwicklung hergestellt. Zahlreiche kommentierte Bilddokumente veranschaulichen die einzelnen Sachverhalte.

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4 Schule im Deutschen Kaiserreich

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4.1 Allgemeines Reich und Länder Die Reichsgründung hat für das Schulwesen nur untergeordnete Bedeutung. Bil- dungseinrichtungen gehören nicht zu jenen Angelegenheiten, für die gilt, dass sie im Interesse der Funktionalität des Gesamtstaates auch gesamtstaatlich Schutz und Pflege erfahren müssen. Die Reichsverfassung des 1871 auf der Grundlage eines Fürstenbundes gegrün- deten konstitutionell-monarchischen Bundesstaates enthält keine Artikel zum Bil- dungswesen1. Die 23 Einzelstaaten und drei freien Hansestädte2 sind in der Gestal- tung ihres Schulwesens3 weder der Gesetzgebung noch der Oberaufsicht des Rei- ches unterworfen, das Reich betreibt ihnen gegenüber keine eigene Schulpolitik, eine Unterrichtsverwaltung mit gesamtstaatlicher Zuständigkeit wird nicht einge- richtet. Eine reichsgesetzliche Regelung besteht für das Schulwesen nur in Gestalt des § 120 der Gewerbeordnung, der die Unternehmer verpflichtet, Jugendlichen un- ter 18 Jahren den Fortbildungsschulbesuch zu gewähren. Unter zentraler ministe- rieller Verwaltung befinden sich als ,Reichslande„ Elsaß und Lothringen, ebenso die ,Regierungsschulen„ in den Kolonien. Die Respektierung einzelstaatlicher Interessen im Kultusbereich hat zu den politi- schen Fundamentalbedingungen gehört, unter denen sich die Reichsbildung, vor allem die Einbeziehung der außerhalb des bisherigen Norddeutschen Bundes ste- henden Herrscherhäuser mit den Königen von Bayern, Württemberg und Sachsen hat erreichen lassen. Zwar zeigt das Beispiel Preußens, dass räumliche Distanzen, un- terschiedlich entwickelte Wirtschafts- und Kulturräume, auch die Konfessions- verteilung einer übergreifenden ministeriellen Bildungsverwaltung nicht entgegen- stehen müssen, wenn besonderen Interessen und Bedingungen schulrechtlich Raum gegeben wird, aber bei der Entscheidung über...

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