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Schulgeschichte in Deutschland

Von den Anfängen bis in die Gegenwart- 2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Gert Geißler

Der Autor legt eine Gesamtdarstellung zur deutschen Schulgeschichte vor. Mit der Behandlung wichtiger gesellschaftlicher Bezugsfelder der Schule rückt er Erziehungs- und Sozialisationsverhältnisse in den Blick. In der unmittelbar institutionsgeschichtlichen Dimension macht er vor allem Entwicklungen in Recht und Verwaltung der Schule, in der Schulerziehung, in den Unterrichtsfächern und im Leistungsverständnis sichtbar. Gleichermaßen dargestellt finden sich Schulalltag, Schulbau und die Schulstrukturverhältnisse. In die Betrachtung einbezogen sind außer der Pflichtschule auch die beruflichen Schulen, ebenso die Einrichtungen im Bereich der frühkindlichen Erziehung, der Sozialerziehung und der Lehrerbildung. Die Schulpolitik wird mit Blick auf das Agieren des Gesamtstaates, der einzelnen Länder, der Kirchen, von Parteien und Verbänden verdeutlicht. Es werden Bezüge zur internationalen Schulentwicklung hergestellt. Zahlreiche kommentierte Bilddokumente veranschaulichen die einzelnen Sachverhalte.

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8 Schule in West und Ost in den 1950er Jahren

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8.1 Kontinuitäten und Neuansätze im Schulwesen der Bundesrepublik Deutschland Allgemeines Spätestens mit der Gründung der beiden deutschen Staaten1 ist Deutschland auch bildungspolitisch für die nächsten vierzig Jahre ein geteiltes Land. Die in den vier unmittelbaren Nachkriegsjahren entstandene Ausgangslage wird unter den Bedin- gungen deutscher Zweistaatlichkeit bis Ende der 1950er Jahre zu schroffen bil- dungspolitischen Entgegensetzungen treiben. Zwei gegensätzliche politische Sys- teme stehen sich konfrontativ konkurrierend gegenüber: eine Diktatur, die die Einheitsschulidee aufnimmt und klassenkämpferisch instrumentalisiert, im Wes- ten eine parlamentarische Demokratie, in der das gegliederte Schulsystem beste- hen bleibt und je nach Landespolitik neu gestaltet wird. Erwartet man im Westen den baldigen Zusammenbruch des als ,Zone‘, später um Begriffe ringend auch als ,Gebilde‘ oder ,Phänomen‘ bezeichneten Staatswesens im Osten, so sieht man dort, zumindest vorgeblich, den ,Sturz der Adenauer-Regierung‘ und des ,klerikal- 1 Siehe auch die Rückblicke auf die jüngere deutsche Bildungsgeschichte in Baumert, Jürgen / Goetz-Weimer, Christiane (Hrsg.): Einfallsreichtum. 60 Jahre Lernen und Forschen in der Bundesrepublik Deutschland. Leipzig 2009. 8 Schule in West und Ost706 faschistischen‘ Systems auf der Tagesordnung stehen. Die konkrete Ausprägung des Einheitsschulsystems im Osten wird wesentlich mit dazu beitragen, in der westdeutschen Bildungspolitik2 und Öffentlichkeit die Ablehnung von integrier- ten Schulsystemen gleich welcher Art zu erhärten. Im Osten spricht man dagegen parteiamtlich von der Herrschaft der ,Schulreaktion‘ im Westen, die den ,werktätigen Massen‘ das Recht auf Bildung verwehre. Trotz politisch fundamentaler Gegensätzlichkeit beider Schulsysteme bleiben den-...

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