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Anthropologie und Ästhetik in Schillers Staat

Schiller im politischen Dialog mit Wilhelm von Humboldt und Carl Theodor von Dalberg

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Thomas Ulrich

Die Arbeit stellt sich die Frage, ob Schiller durch seine philosophischen Schriften der 1790er Jahre als politischer Schriftsteller verstanden werden kann. Ideengeschichtlich wird dabei Schillers Werk bis 1796 untersucht. Zu dieser Zeit pflegt er engen Umgang mit Wilhelm von Humboldt und Carl von Dalberg. Ihre Diskussionen drehen sich um die Geschehnisse in Frankreich, das kurz nach der Revolution darum bemüht ist, eine neue Staatsform zu etablieren. Beide Politiker verfassen Schriften, die sich mit dieser Thematik beschäftigen und bitten Schiller, an der Diskussion teilzunehmen. Die Arbeit versteht seine ästhetische Erziehung als einen solchen Versuch, in dem er die Komplexe Ästhetik und Politik in Berücksichtigung seiner anthropologischen Ansichten miteinander in Beziehung setzt.

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Einleitung 13

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13 Einleitung Schillers Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen, die er im Verlauf des Jahres 1795 in den Horen veröffentlicht, vereinigen seine ästhetische Theorie mit politischem Gedankengut, dass er Zeit seines Lebens entwickelt hat. Sie stellen einen Höhepunkt in Schillers philosophischer Entwicklung dar, die in der Folgezeit, vor allem durch die enge Zusammenarbeit mit Goethe, eine andere Richtung einschlägt. Das politische Potenzial, das er explizit in den Briefen an den Augustenbur- ger, die den Briefen über die ästhetische Erziehung zugrunde liegen, darstellt, wird in der Forschung vor allem als Reaktion auf die Französische Revolution verstanden.1 Diese Interpretationsweise ist primär auf die Bewertung von Schil- lers Versuch zurückzuführen, Ludwig XVI. durch das Abfassen einer Verteidi- gungsrede vor der Hinrichtung zu bewahren, wie Schiller Körner gegenüber am 21. Dezember 1792 schreibt.2 Diesem Versuch einer Verteidigung wird in den letzten Jahren besondere Aufmerksamkeit gewidmet, so rechnet sie beispielswei- se Walter Müller-Seidel in seinem erst kürzlich erschienenen Buch Friedrich Schiller und die Politik zum „Kühnsten, dessen, was die Weimarer Klassik her- vorgebracht hat“.3 Eine solche Darstellungsweise stellt die Wichtigkeit der poli- tischen Überzeugungen heraus, die Schiller im Rahmen seiner schriftstelleri- schen Tätigkeit verarbeitet hat. Kann Schiller möglicherweise gerade durch seine 1 Vgl. Jeffrey L. High, „Schillers Plan, Ludwig XVI. in Paris zu verteidigen“, in: Jahrbuch der deutschen Schillergesellschaft, Band 39 (1995), S. 162–177. Vgl. auch: Birgit Sandkaulen, „Schönheit und Freiheit. Schillers politische Philosophie“, in: Klaus Manger...

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