Show Less

Semantische Unbestimmtheit im Lexikon

Series:

Edited By Inge Pohl

Dieser Band enthält Vorträge der Landauer Semantikkonferenz Semantische Unbestimmtheit im Lexikon, die vom 2. bis 4. Oktober 2008 an der Universität Koblenz-Landau stattfand. Da gegenwärtig noch keine geschlossene «Unbestimmtheits-Theorie» existiert, besteht das Erkenntnisziel darin, relevante Ausschnitte zum Unbestimmtheitsphänomen aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Orientierungen intensiver zu beleuchten. Die Autorinnen und Autoren verdeutlichen u. a., dass der Begriff der semantischen Unbestimmtheit im Lexikon über tradierte Formen der Unbestimmtheit hinausgeht und wissenschaftshistorisch sowie konzeptionenabhängig zu bestimmen ist; dass spezifische Wissensstrukturen im mentalen Lexikon eine Affinität zu Unbestimmtheitsphänomenen besitzen; dass der Inferenzbegriff bezüglich der Unbestimmtheit weiter auszudifferenzieren ist; dass interdisziplinäre Sehweisen eine Öffnung der Begrifflichkeiten erforderlich machen. Präsentiert werden erkenntnisgewinnende Wege im Untersuchungsbereich, indem die Problematik von unterschiedlichen sprachlichen Phänomenen aus entfaltet wird, Theoreme zu deren Beschreibung geprüft werden und aufgezeigt wird, welche Ansätze zur Problemschärfung produktiv zu machen sind.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

UNBESTIMMTHEIT VON LEXIKONAUSSCHNITTEN

Extract

INGE POHL Hochgradige Mehrdeutigkeit von Lexemen — Diskussion eines semantisch-integrativen Beschreibungsansatzes am Beispiel des Verbs gehen 1. Problemsituierung und Ziel der Untersuchung In dieser Untersuchung geht es um das Phänomen, dass lexikalische Einhei- ten, wie gehen, referentiell offen, variabel, mehrdeutig, in gewisser Weise unbestimmt sind — welchen prätheoretischen Begriff man auch wählt. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass die Bedeutung von gehen in der Äu- ßerung wir gehen auf einem Wiesenweg anders zu verstehen ist als in der Äu- ßerung das Badewasser geht bis an die Knöchel, und die Bedeutung von ge- hen wiederum anders gelagert ist, wenn der Arzt fragt: Wie geht's denn so? und der Patient antwortet: Naja, der Montag ging ja noch, aber dann ging gar nichts mehr. Am simplen Beispielsatz Er müsste eigentlich gehen. lässt sich gut zeigen, dass wir als Rezipienten die intendierte Äußerungsbedeutung nur über se- mantisch-pragmatische Inferenzen ermitteln können. Sobald der Referent von er als Minister, Kuchenteig, unfreundlicher Gast oder Wecker fixiert ist, las- sen sich verschiedene Bedeutungsvarianten von gehen ableiten. Der Minister müsste eigentlich gehen. = gehen: 'aus dem Dienst ausscheiden' Der Kuchenteig ... = gehen: 'sich vergrößern, treiben' Der unfreundliche Gast ... = gehen: 'einen Ort verlassen' Der Wecker ... gehen: 'funktionieren' Offensichtlich hat das Verb gehen in Abhängigkeit von seinem Äußerungs- kontext sehr unterschiedliche Bedeutungen. Da die einzelnen Äußerungsbe- deutungen jedoch relativ gut semantisch voneinander abzugrenzen sind, kann man nicht von einer vagen Bedeutung des Verbs sprechen. Gleichermaßen halte ich die in gängigen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.