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Theater für Alle?

Partizipation von Postmigranten am Beispiel der Bühnen der Stadt Köln

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Azadeh Sharifi

Die Partizipation von Postmigranten als Künstler und Publikum an der deutschen Kultur wird in diesem Buch exemplarisch an den Bühnen der Stadt Köln aufgezeigt. Drei Theaterhäuser, das Schauspiel Köln, das Comedia Theater und die Bühne der KulturenArkadaş Theater werden in ihrer inhaltlichen und programmatischen Ausrichtung zur interkulturellen Öffnung untersucht. Zudem werden Postmigranten zu ihrem Theaterinteresse sowie zu ihrer Nutzung der Kölner Theater befragt. Ein Ausblick auf die britische Kulturpolitik und die Teilhabe von black artists an der Theaterszene werden als Impulse für die deutsche Kulturpolitik diskutiert. Ziel der Arbeit ist die Formulierung von kulturpolitischen Handlungsempfehlungen, die zur Teilhabe von postmigrantischen Künstlern und Publikum an deutschen Theaterhäusern führen soll.

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Kapitel II: Interkulturelle Theaterkonzepte an Kölner Theatern

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1. Köln 1.1. Nordrhein-Westfalen und die historische Migration Nordrhein-Westfalen hat aufgrund der Industrie des Ruhrgebiets und des Koh- leabbaus eine sehr lange Geschichte von Einwanderern und Gastarbeitern. Ins- gesamt nahm Nordrhein-Westfalen etwa ein Drittel der von Deutschland ange- worbenen Gastarbeiter auf. In Nordrhein-Westfalen leben mittlerweile 1,8 Mil- lionen Postmigranten, rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung Nordrhein-West- falens.215 Die größte Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund bilden Menschen türkischer Herkunft mit über einer halben Million, gefolgt von Men- schen aus dem ehemaligen Jugoslawien sowie aus Italien, Polen und Griechen- land.216 Mit den ersten Gastarbeitern kamen auch Theatertraditionen der jeweiligen Länder nach Nordrhein-Westfalen. Die ersten Anfänge von Theatergruppen rei- chen bis in die 1960er Jahre zurück. Die meisten Theatergruppen entstanden al- lerdings erst nach 1979, da der Anwerbestopp 1973 bei den meisten ehemaligen Gastarbeiter zu einer endgültigen Niederlassung in Deutschland führte und sie nicht nicht nur ihre privates, sondern auch ihr kulturelles Leben nach Deutsch- land verlagerten. In der Forschungsliteratur werden die postmigratischen Thea- tergruppen dieser Zeit wahrgenommen, aber nur als Amateur- und Laiengruppen eingestuft: „Nur wenige Gruppen können als professionell oder zumindest semi- professionell gelten“.217 Der Vorwurf des Amateurcharakters ist jedoch insofern unangebracht, da, wie bereits erwähnt, die deutsche Politik diesen Gruppen kei- nerlei Unterstützung zukommen ließ und sie ohne finanzielle Unterstützung ihre Arbeit umsetzen mussten.218 Aufgrund der Abhängigkeit von Probeorten und Auftrittsmöglichkeiten, blieb die Theaterarbeit auf die Unterstützung sozialer In- stitutionen angewiesen. Die meisten postmigrantischen...

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