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Die Soziale Marktwirtschaft als Vorbild in internationalen Krisen

Ökonomischer und technologischer Wandel zwischen 1989 und 2009

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Edited By Bernhard Seliger, Jüri Sepp and Ralph Michael Wrobel

Kaum war die Wirtschaftskrise von 2008 und 2009 richtig im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen, so scheint sie schon wieder vorbei zu sein. Wirtschaftspolitischer Pragmatismus regierte, ja triumphierte. Das sogenannte neoliberale Projekt ist seitdem weitgehend diskreditiert, ordnungspolitische Positionen wurden bedenkenlos als unnötige Hindernisse zu einer ideologiefreien und funktionierenden Wirtschaftspolitik über Bord geworfen. «Gier» wurde als hervorstechende Eigenschaft des marktwirtschaftlichen Systems definiert und die Kontrolle dieser Gier verlangte nach schnellen und quasi unlimitierten Staatseingriffen. Die Ursachen der Krisen in der Gier der privaten Akteure zu suchen, ist nicht unbedingt falsch. Falsch ist es jedoch, diese Gier alleine am privatwirtschaftlichen Handeln festzumachen und die Kontrolle durch den Staat als Lösung des Problems zu betrachten. Tatsächlich waren es Regulierungsdefizite und Politikversagen, nicht das Versagen von Märkten, die zur Krise geführt haben. Deshalb wird in diesem Band die Finanz- und Wirtschaftskrise aus ordnungspolitischer Sicht reflektiert. Dabei wird eine vergleichende Perspektive genutzt, so dass sich auch Aufsätze zu Themen der Transformation von Wirtschaftsordnungen wie zur Innovations- oder Regionalpolitik finden.

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B) Ordnungspolitik in den Transformationsländern Mittel- und Osteuropas

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Jüri Sepp Ordnungspolitische Faktoren der menschlichen Entwicklung 1. Einführung Als Einführung stellen wir zuerst das Konzept der menschlichen Ent- wicklung so vor, wie es von UNO entwickelt worden ist.1 Vor allem ist es ja ein Versuch die gesellschaftliche Entwicklung etwas breiter zu messen, als es beim üblichen reinökonomischen Ansatz der Fall ist, wo der Erfolg durch das Niveau der Wirtschaftsleistung, hauptsäch- lich des BIP bzw. deren Wachstum gemessen wird. Bei der menschli- chen Entwicklung werden auch andere Aspekte der Lebensqualität hinzugefügt. Menschliche Entwicklung wird in dem UNO-Konzept als Gesamter- folg in 3 Bereichen verstanden: Gesundheit, Bildung und der wirt- schaftliche Wohlstand. Um das Konzept zu operationalisieren sucht man für alle 3 Bereiche geeignete Indikatoren und Messverfahren.2 Es werden für alle Teilbereiche die Indizen gebildet, deren Wert zwi- schen 0 un 1 liegt. Dafür werden geignete Grenzwerte (sowohl unterer als auch oberer) angewendet: Index = (tatsächlicher Wert – unterer Grenzwert)/(oberer Grenzwert – unterer Grenzwert) Für die Gesundheit und den Wohlstand wird nur ein Indikator ang- wendet: entsprechend die Lebenserwartung bei der Geburt und BIP per Capita in USD, der durch die Kaufkraft (PPP) korrigiert und loga- rithmiert wird. Für die Bildung werden 2 Kennzahlen angezogen: Al- phabetenquote der Erwachsenen und Brutto-Schuleinschreibungs-rate. Alle 3 Bereiche werden als gleichbedeutend betrachtet (siehe Tabelle 1). 1 Siehe auch http://hdr.undp.org/en/media/thestateofhumandevelopment.pdf 2 Siehe näher http://hdr.undp.org/en/media/HDR_20072008_Tech_Note_1.pdf Jüri Sepp 78 Tabelle 1. Die Komponenten der menschlichen Entwicklung. Teilindex unterer...

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