Show Less

Wörter für die Katz?

Martin Walser im Kontext der Literatur nach 1945

Series:

Edited By Miriam Seidler

Martin Walser ist ein unbequemer Autor. Diese Eigenschaft kam in den letzten Jahren vor allem in der Walser-Bubis-Debatte um die Erinnerung an den Holocaust und in seiner Abrechnung mit der Literaturkritik in dem Roman Tod eines Kritikers zum Ausdruck. Dass Martin Walser seine literarische Produktion durch eine intensive Beschäftigung mit dem Werk von Kollegen und die theoretische Auseinandersetzung mit Gattungsfragen begleitet, ist kaum bekannt. Der Sammelband geht dieser unbekannten Seite des Autors nach und zeigt Facetten der kritischen Auseinandersetzung in seinem Werk auf.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

DIETMAR TILL: Kunst, Kommerz, Kritik. Zu Martin Walsers "Ehen in Philippsburg"

Extract

DIETMAR TILL Kunst, Kommerz, Kritik. Zu Martin Walsers Ehen in Philippsburg I. Entstehung und frühe Rezeption als gesellschaftskritischer Roman Am 27. August 1956 notiert Martin Walser in sein Tagebuch: „Heute mit Ehen in Philippsburg fertig geworden. Im großen und ganzen. Das Ende ist geschrie- ben, der Schlußpunkt gesetzt.“1 Ausweislich des Tagebuchs hatte Walser seit 1954 an seinem ersten Roman gearbeitet, immer wieder unterbrochen durch seinen ›Brotberuf‹ beim Süddeutschen Rundfunk, über den das Tagebuch eben- falls Zeugnis ablegt: „TV-Sitzung. Abends kann man keinen Roman anfangen“,2 notiert er etwa am 11. Oktober 1954, am 28. April 1955 schließlich: „In den letzten drei Wochen verschiedene Stränge an Ehen in Philippsburg geschrieben. Einzelne Stränge, die noch nicht zusammengehören, aber zusammengebracht werden müssen. Vielleicht … Zeit fehlt. Immer fürs nächste arbeiten.“3 In diesem Fall, wie man in einem Eintrag unter dem 3. Juni 1955 nachlesen kann, bedeutete dies: „Synchronisation, Sprachaufnahme und Musikmischung für Thomas-Mann-Film“,4 einer Dokumentation zum 80. Geburtstag von Mann. Im August 1956 heißt es schließlich: „Jetzt ist auch der dritte Teil (Verlobung bei Regen) fertig. Der vierte Teil macht Schwierigkeiten, die zu überwinden ich zu träge bin. Ich umgehe sie bloß. Schwindle mich an ihnen vorbei.“5 Wenige Tage später ist der Text abgeschlossen. Ehen in Philippsburg erscheint im Oktober 1957 bei Suhrkamp in einer Erstauflage von 5000 Exemplaren. Der Roman musste 1958 bereits zweimal nachgedruckt werden und war damit auch kommerziell durchaus erfolgreich.6...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.