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Wörter für die Katz?

Martin Walser im Kontext der Literatur nach 1945

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Edited By Miriam Seidler

Martin Walser ist ein unbequemer Autor. Diese Eigenschaft kam in den letzten Jahren vor allem in der Walser-Bubis-Debatte um die Erinnerung an den Holocaust und in seiner Abrechnung mit der Literaturkritik in dem Roman Tod eines Kritikers zum Ausdruck. Dass Martin Walser seine literarische Produktion durch eine intensive Beschäftigung mit dem Werk von Kollegen und die theoretische Auseinandersetzung mit Gattungsfragen begleitet, ist kaum bekannt. Der Sammelband geht dieser unbekannten Seite des Autors nach und zeigt Facetten der kritischen Auseinandersetzung in seinem Werk auf.

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MIRIAM SEIDLER: Tagtraum eines Erzählers? Die Rezeption von Walsers dramatischem Werk und seine poetische Reaktion am Beispiel seiner Dialoge über das Theater

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MIRIAM SEIDLER Tagtraum eines Erzählers? Die Rezeption von Walsers dramatischem Werk und seine poetische Reaktion am Beispiel seiner Dialoge über das Theater Daß Martin Walser, so originell seine Begabung auch sein mag, nicht zu jenen Künstlern gehört, die mit vollen Händen spenden können, wissen wir längst, zumin- dest seit dem Roman Halbzeit (1960). Was er schreibt, ist oft anregend und interes- sant, es vermag zu verwundern und zu irritieren, ja mitunter zu entzücken. Aber es überwältigt nie. Warum? Weshalb erinnert er uns häufig an die alte Wahrheit, daß sich in der Kunst Vitalität und Sterilität nicht gegenseitig ausschließen? Vielleicht ist dieser Kasus der Gegenwartsliteratur gar nicht so kompliziert, wie er es im ersten Augenblick zu sein scheint. Sehr möglich, daß dem Schriftsteller Walser nichts anderes fehlt als jenes schwer definierbare und nach wie vor nicht er- setzbare Element, das sich mit dem altmodisch klingenden Begriff ›poetische Imagi- nation‹ andeuten läßt.1 Diese mit verhaltenem Lob einsetzende, aber in einer vernichtenden Kritik endende Beschreibung des poetischen Charakters Martin Walsers stammt aus der Feder des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki.2 Sie ist einer Bespre- chung von Walsers wohl erfolgreichstem Drama Die Zimmerschlacht (1967) entnommen, bezieht sich aber auf Walsers gesamtes Œuvre. Neben dem grund- sätzlichen, allerdings nicht belegten Zweifel an Martin Walsers schrift- stellerischen Fähigkeiten kritisiert Reich-Ranicki an diesem Drama in erster Linie seine Handlungsarmut.3 Andere Rezensenten bemängeln die „Durchfüh- rung der Figuren“ im Drama des „dialogisierende...

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