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Wörter für die Katz?

Martin Walser im Kontext der Literatur nach 1945

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Edited By Miriam Seidler

Martin Walser ist ein unbequemer Autor. Diese Eigenschaft kam in den letzten Jahren vor allem in der Walser-Bubis-Debatte um die Erinnerung an den Holocaust und in seiner Abrechnung mit der Literaturkritik in dem Roman Tod eines Kritikers zum Ausdruck. Dass Martin Walser seine literarische Produktion durch eine intensive Beschäftigung mit dem Werk von Kollegen und die theoretische Auseinandersetzung mit Gattungsfragen begleitet, ist kaum bekannt. Der Sammelband geht dieser unbekannten Seite des Autors nach und zeigt Facetten der kritischen Auseinandersetzung in seinem Werk auf.

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ANITA GRÖGER: „Der monströse Versuch, Vergangenheit herzustellen“ – Aspekte des ›erzählten Zweifels‹ in Martin Walsers Roman "Das Einhorn"

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ANITA GRÖGER „Der monströse Versuch, Vergangenheit herzustellen“ – Aspekte des ›erzählten Zweifels‹ in Martin Walsers Roman Das Einhorn Martin Walsers Das Einhorn erschien im Jahr 1966 als zweiter Roman der sogenannten Kristlein-Trilogie1. Halbzeit war bereits sechs Jahre zuvor, 1960, erschienen, Der Sturz sollte 1973 die Trilogie abschließen. Hatte die Literatur- kritik Walsers Ehen in Philippsburg noch weitgehend mit Beifall aufgenommen, waren die Reaktionen im Bezug auf die Kristlein-Trilogie in allen Teilen höchst kontrovers. Reich-Ranicki ging sogar soweit, Das Einhorn trotz zugestandener sprachlicher Virtuosität als „gallertartiges Gebilde“2 zu verwerfen. Ein solches Urteil beruht auf einem vorgefassten Verständnis dessen, was ein Roman sei und leisten müsse, und zeugt von einem Missverstehen der erzählerischen Leistung, zumal Das Einhorn ja gerade – thematisch wie formal – die Grenzen des Erzählens auslotet.3 Dabei folgt die Poetik des Romans einer Idee, die Walsers Essay Freiübungen (1963) bereits vorwegnimmt: „Das Muster wird gemacht und dann zerstört. Kunst zeigt nur, dass nichts gerettet wird. […] Was allenfalls bleibt ist nicht das Muster, sondern seine Zerstörung“.4 Diese Zerstörung führt der Roman auf vielfältige Weise vor, indem er die Bedingungen seines Scheiterns literarisch aus sich heraus entwickelt, sich dabei selbst in Frage stellt und zugleich kreativ neue Perspektiven entwirft, was ein Roman ist und leisten kann. I. Erinnern und Erzählen Das Einhorn setzt sich, wie viele andere deutschsprachige Romane der Nach- kriegszeit, kritisch mit dem Thema der Erinnerung und ihrer Aufarbeitung aus- einander. Dabei zeichnet...

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