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Wörter für die Katz?

Martin Walser im Kontext der Literatur nach 1945

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Edited By Miriam Seidler

Martin Walser ist ein unbequemer Autor. Diese Eigenschaft kam in den letzten Jahren vor allem in der Walser-Bubis-Debatte um die Erinnerung an den Holocaust und in seiner Abrechnung mit der Literaturkritik in dem Roman Tod eines Kritikers zum Ausdruck. Dass Martin Walser seine literarische Produktion durch eine intensive Beschäftigung mit dem Werk von Kollegen und die theoretische Auseinandersetzung mit Gattungsfragen begleitet, ist kaum bekannt. Der Sammelband geht dieser unbekannten Seite des Autors nach und zeigt Facetten der kritischen Auseinandersetzung in seinem Werk auf.

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FRIEDERIKE EIGLER: Poetologische Dimensionen der Heimattopoi in Martin Walsers "Verteidigung der Kindheit" und "Ein springender Brunnen"

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FRIEDERIKE EIGLER Poetologische Dimensionen der Heimattopoi in Martin Walsers Verteidigung der Kindheit und Ein springender Brunnen1 Heimattopoi spielen eine zentrale Rolle in Walsers literarischem und publi- zistischem Werk. Während sich die bisherige Forschung mit den gesellschafts- politischen Implikationen und der thematischen Signifikanz der Heimatbilder befasst hat,2 geht dieser Beitrag darüber hinaus der Frage nach, wie Heimat von Walser literarisch inszeniert und poetologisch eingesetzt wird. Seit dem frühen 19. Jahrhundert gibt es zahlreiche literarische Beispiele dafür, wie sich die Ambivalenz der Moderneerfahrung an Heimattopoi fest- macht. Dabei geht es fast immer auch um poetologische oder meta-literarische Aspekte, denn Motive von Heimatverlust, alternativen Heimatbildern, Heimweh und Rückkehr sind eng mit genuin literarischen Dimensionen von Imagination, Erinnerung und poesis verknüpft (vgl. etwa Hölderlins Hymnen oder Heines Lyrik). Die für Walsers Werk zentralen Heimattopoi sind also Teil einer langen literarischen Tradition. Zugleich ist der Heimatbegriff seit der nationalistischen Vereinnahmung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert nicht mehr völlig losgelöst von politischen und ideologischen Konnotationen einsetzbar. Auf die Verbrämung von Heimat, Nationalismus und Deutschtum in der NS-Zeit wurde bekanntlich zunächst mit der Idyllisierung von Heimat in den Heimatfilmen der fünfziger Jahre reagiert, 1 Für die hilfreiche Unterstützung bei den Recherchen zu diesem Beitrag danke ich Kristina Bieber. 2 Eckart Prahl (1993) beschäftigt sich in seiner Monographie in erster Linie mit der „Idyllisierung von Heimat als Kennzeichen kleinbürgerlicher Mangelaufwertung“ in Walsers literarischen Werken. Die Beiträge...

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