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Wörter für die Katz?

Martin Walser im Kontext der Literatur nach 1945

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Edited By Miriam Seidler

Martin Walser ist ein unbequemer Autor. Diese Eigenschaft kam in den letzten Jahren vor allem in der Walser-Bubis-Debatte um die Erinnerung an den Holocaust und in seiner Abrechnung mit der Literaturkritik in dem Roman Tod eines Kritikers zum Ausdruck. Dass Martin Walser seine literarische Produktion durch eine intensive Beschäftigung mit dem Werk von Kollegen und die theoretische Auseinandersetzung mit Gattungsfragen begleitet, ist kaum bekannt. Der Sammelband geht dieser unbekannten Seite des Autors nach und zeigt Facetten der kritischen Auseinandersetzung in seinem Werk auf.

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ROSA PÉREZ ZANCAS: Springbrunnen und Teufelskreis: Die Autobiographien von Ruth Klüger und Martin Walser als zwei entgegengesetzt erlebte Kindheiten

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ROSA PÉREZ ZANCAS Springbrunnen und Teufelskreis: Die Autobiographien von Ruth Klüger und Martin Walser als zwei entgegengesetzt erlebte Kindheiten Als 1992 Ruth Klügers Erinnerungsbuch weiter leben. Eine Jugend in Deutsch- land erschien, sorgten zwei Literaturpersönlichkeiten für die schnelle Eroberung der deutschsprachigen Literaturwelt. Marcel Reich-Ranicki feierte es am 14. Januar 1993 im Literarischen Quartett als „[e]in literarisch außerordentliches Buch“, das „zum Besten“ zähle, „was in diesen letzten, zwei, drei, vier Jahren in deutscher Sprache erschienen“ sei.1 Zuvor hatte Martin Walser, der für die Freundin beim Suhrkamp-Verlag erfolglos die Schirmherrschaft übernommen hatte – das Buch wurde schließlich beim damals noch unbekannten Wallstein- Verlag gedruckt –, bereits im September 1992 in einem Rundfunk-Text2 die durch ihren Erstling in die „Wiener Version der deutschen Sprache“ Zurück- gekehrte mit „Welcome back“ begrüßt, als einer der sie noch aus der „Zeit der Ausreise“ kannte3 und diese Rückkehr als „ein Sprachwunder“, „als habe sie den siebten Bezirk nie verlassen“, feiert.4 Diese Emporhebung einer zu diesem Zeitpunkt in Deutschland völlig unbe- kannten Autorin durch die einflussreichste Kommission der deutschen Literatur- landschaft war der Auslöser eines nicht voraussehbaren Publikumserfolges, der bis heute anhält. Die durchgehend kritiklose Kritik war einstimmig beeindruckt, Klügers Schreibintention jedoch, das deutsche Publikum durch Provokation und Appell zu reizen, schlug völlig fehl. Trotz ihrer „nimmermüden Erinnerungs- kritik“5, ihres Aufrufes zum Streit durch die eingesetzten „Angriffsflächen“6, die 1 Das Literarische Quartett, Zweites Deutsches Fernsehen, 14.01.1993. Einführung...

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