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Die «unbekannte» Edith Stein: Phänomenologie und Sozialphilosophie

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Edited By Beate Beckmann-Zöller and Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

Edith Stein ist durch ihr außergewöhnliches Leben und Sterben (1891 Breslau bis 1942 Auschwitz) bekannt. Ihrem frühen philosophischen Werk als Meisterschülerin von Edmund Husserl wurde bisher allerdings zu wenig Beachtung geschenkt. Die Referate der Tagung Die unbekannte Edith Stein (Salzburg, 7.-9.10.2004) beschäftigten sich vor allem mit ihren Werken aus den 20er Jahren: Psychische Kausalität, Individuum und Gemeinschaft und Eine Untersuchung über den Staat. Dabei gilt das Augenmerk dem geistesgeschichtlichen Kontext der Sozialphilosophie Steins und Vergleichen mit Husserl, Scheler, Heidegger, Guardini und anderen. Zusätzlich zu den Hauptreferaten wurden auch die «Werkstattberichte» junger Forscher aufgenommen. Im Zusammenhang mit Steins Frühwerk wurden anthropologische und pädagogische Fragen thematisiert.

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Vorwort

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Der Impuls der frühen Phänomenologie Aus der Biographie Edith Steins, die sich eines größeren Bekanntheitsgrades er- freut als (bisher) ihr philosophisches Werk, ist vielen bewußt, daß sie 1916 bei Edmund Husserl (1859-1938) promovierte und von 1916 bis 1918 als Privatas- sistentin für den Phänomenologen in Freiburg arbeitete. Wie kam es dazu? An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hatte Husserl seine Logischen Untersu- chungen vorgelegt,' von denen nur wenige Leser ahnten, daß sie je mit einem „Erdrutsch" 2 innerhalb der Philosophie verglichen werden würden. Auch für Edith Stein bildeten sie eine außergewöhnliche Motivation, nämlich einerseits ih- ren Studienort 1913 von ihrer Heimatstadt Breslau nach Göttingen, der damali- gen Wirkungsstätte Husserls, zu verlegen und andererseits in dieser phänomeno- logischen Forschungsrichtung ihre Vorstellungen von Grundlagenforschung in der Psychologie zu verwirklichen: ihre „Analyse der Person". Man konnte sich zur Phänomenologie gleichsam „bekehren" 3 ; ein Vorgang, den man zu verstehen beginnt, wenn man die schwärmerische Ausdrucksweise wahrnimmt, mit der beispielsweise Jean Hering (1890-1966) in seiner Skizze der Phänomenologischen Bewegung den Vergleich eines "Philosophischen Früh- lings"4 anführt oder Hedwig Conrad-Martius (1888-1966) sie emphatisch ein „helles Licht nicht nur der Philosophie, sondern auch der gesamten Wissen- schaft" 5 nennt. Husserl selbst sprach von einer "geheimen Sehnsucht der ganzen 1 Ilusserl, Edmund, Logische Untersuchungen, 1. Band, Hua XVIII, Den Haag 1975; Logische Untersuchungen, 2. Band, 1. Teil, Hua X1X/1, Den Haag 1984; Logische Untersuchungen, 2....

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