Show Less

Sprachmythen – Fiktion oder Wirklichkeit?

Series:

Edited By Lieselotte Anderwald

Die Beiträge in diesem Band untersuchen Mythen und Mythenbildung im Reiche der Sprache: Hat Englisch wirklich keine Grammatik, ist Latein logischer als andere Sprachen, verdirbt das Internet die Sprache, und werden Fragen immer mit ansteigender Intonation gesprochen? Die Beiträge kommen aus der Germanistik, Anglistik, Romanistik, Latinistik, Frisistik sowie der experimentellen Phonetik. Sie beschäftigen sich mit historischen und gegenwärtigen Sprachen, mit Teilbereichen der Grammatik sowie der Aussprache und untersuchen Dialekte, Dialektwahrnehmung, gesprochene und geschriebene Sprache sowie Sprache im Internet.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Oliver Niebuhr (Kiel): Das ist (k)eine Frage – Phonetische Merkmale in der Identifikationstandard deutscher Deklarativfragen

Extract

Das ist (k)eine Frage – Phonetische Merkmale in der Identifikation standarddeutscher Deklarativfragen Oliver Niebuhr (Kiel) 1. Einleitung Unser einfaches ‚Modell‘ der Frageintonation läßt sich in einem Satz zusammenfassen: Fragen haben einen hohen F0-Wert am Äußerungsende, Nicht-Fragen einen tiefen. (BATLINER 1991:147) In seiner Beschreibung und Systematisierung der hochdeutschen Satzintonation differenziert VON ESSEN (1964) zwei grundlegende satzfinale Intonationsbewe- gungen: eine tief fallende, ‚terminale‘ Bewegung und eine hoch steigende, ‚in- terrogative‘ Bewegung. Die beiden Intonationstypen werden in einer 1:1- Beziehung verschiedenen Satztypen zugeordnet. Die durch Verberststellung ge- kennzeichneten Entscheidungsfragen (VE-Fragen, z.B. „Gehst Du nach Hau- se?“) weisen laut VON ESSEN die interrogative Intonation auf, während die durch ein Fragewort markierten Ergänzungsfragen (W-Fragen, z.B. „Wann gehst Du nach Hause?“) mit der terminalen Intonation vorkommen. Spätere Analysen umfangreicher, spontansprachlicher Korpora konnten VON ESSENS einfache Vor- stellung nicht bestätigen. Zwar treten VE-Fragen in der Tat mehrheitlich mit steigenden und W-Fragen mit fallenden satzfinalen Intonationen auf, in einem guten Viertel der Fragen verläuft die satzfinale Intonation jedoch in die jeweils entgegengesetzte Richtung (vgl. SELTING 1995; KÜGLER 2004; KOHLER 2004). Diese empirischer Forschung geschuldete Erkenntnis hat zu einer Revision der Beziehung von Intonation und Satzmodus geführt. Die satzfinale Intonati- onsbewegung in VE- und W-Fragen wird nicht länger als formales Kennzeichen des Satzmodus betrachtet, sondern als Ausdrucksmittel diskurssteuernder bzw. attitudinaler Bedeutungen. KOHLER (2004) zum Beispiel postuliert ein auf kont- rastiven Analysen fundiertes, attitudinales Konzept. Hiernach sind Fragen mit satzfinal steigender Intonation hörerorientiert und offen. Der Sprecher...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.