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Das Polenbild in Meyers Konversationslexika des ‘langen’ 19. Jahrhunderts

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Anna Kochanowska-Nieborak

Das Ziel dieser Arbeit ist die Analyse des Polenbildes in den sieben Auflagen von Meyers Konversations-Lexikon, die innerhalb des ‘langen’ 19. Jahrhunderts erschienen sind. Ausgehend von der Kernthese der Imagologie bzw. der historischen Stereotypenforschung, dass Selbstbild und Fremdbild einander bedingen und beeinflussen, werden im Rahmen dieser Arbeit die Funktionen ermittelt, die das Polenbild für die deutsche Öffentlichkeit (und insbesondere für die Leser des auflagenstarken und meinungsbildenden Meyerschen Konversationslexikons) im 19. Jahrhundert hatte. Es wird festgehalten, welche Elemente des Polenbildes über den gesamten Untersuchungszeitraum konstant blieben und welche einem Wandel unterlagen. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf stereotype Wahrnehmungsmuster gerichtet; dies gilt sowohl für die explizit ausgedrückten Stereotype, wie z. B. der Pole als der ‘Franzose des Nordens’, als auch für solche, die vom Autor lediglich mitgedacht wurden, für den zeitgenössischen Leser jedoch leicht zu entziffern waren.

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I. Theoretische Grundlagen und diskursanalytisch relevante Befunde

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15 I. Theoretische Grundlagen und diskursanalytisch rele- vante Befunde 1. Forschungsstand 1.1. Einführende Bemerkungen Innerhalb der Fachliteratur, die sich mit der Fremdbildforschung beschäftigt, nimmt die Literatur zum deutschen Polenbild verhältnismäßig viel Raum ein.7 Dieser Tatbestand spiegelt die hohe Relevanz dieser Problematik in der wech- selvollen Geschichte der deutsch-polnischen Nachbarschaft wider, deren man sich mit besonderer Deutlichkeit nach dem Zweiten Weltkrieg bewusst wurde. Symptomatisch ist hier die Reflexion eines frühen Vorboten der deutsch- polnischen Versöhnung, Wilhelm de Schmidt, der bereits fünfzehn Jahre nach Kriegsende auf einem Kongress der Pax Christi in Genf auf den Zusammenhang zwischen dem negativen deutschen Polenbild und der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik gegenüber den Polen hinwies: „Unsere Aufgabe ist es zunächst jedem redlichen Deutschen zu sagen, dass die in Po- len begangenen Untaten ohne Zahl auf dem Gewissen jedes einzelnen lasten. Wir müssen ohne Scheu mit Scham sagen, dass das Unrecht nicht erst im Jahre 1939 be- gonnen hat. Unser Schuldbekenntnis muss in die Vergangenheit über Jahrzehnte und lange Perioden der gemeinsamen Geschichte hinausgreifen. Wir sind in diesen Zeiten schuldig geworden durch Geringschätzung und durch Verachtung. Ein Herrenstand- punkt hinderte uns daran, die Brüder in Polen als ebenbürtig anzuerkennen. Wir wa- ren zu dieser Anerkennung nicht bereit von Mensch zu Mensch, noch weniger von Volk zu Volk ... Es geht nach diesem Schuldbekenntnis darum, das Polenbild bei uns neu zu erarbeiten.“8 Den Überlegungen de Schmidts liegt die Überzeugung zugrunde, dass die Gedanken das menschliche Handeln pr...

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